BYE BYE Sardinien – ¡Hola! Balearen. Der Herbst kommt auch auf Elmo an.

Eine kleine Bucht auf Sant’Antioco ist genau der richtige Ort um auf die Balearen abzuspringen, da sind wir uns sicher! Vor uns die Isola La Vacca, die Kuh, mit ihrem Kalb, Il Vitello, etwas weiter entfernt die Isola del Toro, der Stier – Natur so weit das Auge reicht.

Eine ganze Bucht für ELMO allein.

Toby, ein verrückter Engländer, den Matthias auf seinem ersten Segeltörn kennenlernte, ist in der Nähe. Er kommt mit zwei Jungs und einem riesigen Katamaran gegen Abend zwischen den Inseln hindurch in die Bucht gesegelt. Anker fällt, Dinghi auch. Und was für eins! Mit eigenem Steuerstand und 20 PS! Noch bevor wir unseren Baby-ELMO mit dem kleinen Honda-Motor ausgestattet haben, macht Toby an ELMO fest um uns abzuholen. Toby arbeitet für den Eigner des Katamarans. Segeln ist sein Beruf. Wir brettern mit dem äußerst potenten Dinghi auf den Katamaran zu. Der momentan einarmige Dreadlock-Josh nimmt die Leine an. Er hat einen Backflip gemacht und der Sturz hat ihm das rechte Handgelenk zertrümmert. Toby und die Jungs sind „out of beer“ und freuen sich riesig über ein Paket Ichnusa, welches wir ihnen mitgebracht haben. Der Katamaran ist riesig. Der Salon gleicht einem Tanzsaal. Schickes Apartment! Nur den Teppichbodenbelag in den Kajüten find ich höchst zweifelhaft. Auf einem großen Sonnendeck nehmen wir ein, zwei Ichnusa zu uns und sehen den kleinen ELMO vor uns schwappen.

An Land finden wir überall liebevoll gestaltete Täfelchen auf denen die Pflanzenarten beschrieben sind, die dort abhängen.

MEINE VORURTEILE GEGENÜBER ENGLISCHEM ESSEN VERFLÜCHTIGEN SICH.

Toby, Josh und Peter laden uns zum Essen ein und wir lassen den Abend bei leckerer Salsiccia, Kartoffeln, Gemüse und Whiskey-Cola ausklingen. Farewell Toby, Josh und Peter! Für die drei Jungs, die eher nach Backpackern als nach Superyacht-Besitzer aussehen, geht es am nächsten Morgen schon über Mahon weiter nach Barcelona.

Bye bye Toby!

Wir nehmen uns noch einen Tag Ruhe und legen uns eine Bucht „näher an Mahon“, bevor wir die Nachtfahrt nach Menorca antreten. Wind soll mal wieder Mangelware sein, somit kann es sein, dass wir die komplette Strecke bis auf die Balearen motoren werden – und so kommt es dann (leider) auch.

Wir brechen auf zur Nachtfahrt – am Morgen.

SARDINIEN – es war echt schön aber wir ziehen dann mal weiter. 

Mit den ersten Sonnenstrahlen geht ELMOs Motor an, wir brechen auf. Noch in der Bucht setzen wir, nachdem wir einem Fischer mit seinen Bojen ausweichen, den Kurs auf’s Ziel. Der Autopilot macht einen spitzen Job. Schon am Mittag sehen wir nichts mehr von Sardinien. Die See ist ruhig. Mit einem Hörbuch vertreibe ich mir die Zeit und habe ein Wenig „Me-Time“. Matthias bemerkt, dass er sich dringend ein weiteres Hobby nebst Segeln zulegen sollte, die Überfahrten mit Motor haben weniger was mit Segeln zu tun und wären langweilig. Das Einzige, was wir sehen, ist blau oben, blau unten, blau rechts und blau links. Plötzlich entdecke ich im Wasser kleine durchsichtige Hüllen, die so groß sind wie ein Daumennagel. Sie treten zu Hauf in breiten Unterwasserbändern auf, durch die ELMO hindurchgleitet. Leider brachte die Google-Recherche kein Ergebnis – so wissen wir bis heute nicht, ob es Laich oder monströse Einzeller waren. Im Gegensatz zu Matthias mag ich es, wenn die Nacht eintritt und habe kein Problem mit dem fehlenden Licht. Sicherlich sieht man um sich herum eigentlich nichts, aber wenn auch der Mond nicht da ist, sieht man die Sterne umso mehr.

DIE MILCHSTRASSE ERSTRECKT SICH BOMBASTISCH ÜBER UNSERER KLEINEN SCHWIMMENDEN WOHNUNG AUF DIESEM GROSSEN MEER.

Sternschnuppen huschen über die dunkle Decke, aus den Kopfhörern erklingt eine Männerstimme – Gelassenheit wäre das wichtigste Gut. Helmut Schmidts „Was ich noch sagen wollte“ suchte ich in der Nacht durch. Gelassenheit wollte ich eh trainieren, ich setze mich total gelassen hinters Steuer und schaue nach unten, da wo ELMO zu Ende ist – dort, wo ab 6,5 Knoten das Wasser anfängt zu blubbern. Fupp, fupp, fupp – Lichtbälle schießen unter ELMO hervor. Manche so groß wie ein Fußball, einige sogar noch größer, dann wieder kleinere. Es sind fluoreszierende Bakterien oder Algen, die sich in Quallen angesammelt haben und die Quallen von innen wie Lampions erstrahlen lassen. Ein phantastisches Schauspiel.

EIN KLEINES WUNDER UND WUNDERSCHÖN!

Bestens ausgestattet.

Matthias’ Wache ist ebenso ruhig wie meine. Immer noch kein Wind. Die Sonnenaufgangsschicht habe ich dieses Mal ergattert – das erste Mal. Im Westen, auf den wir zusteuern, wird’s langsam hellblau. Am Heck kämpft sich die Sonne durch die Wolken. Über dem gesamten Meer liegt ein silberner Schleier. Ich höre Delfine neben ELMO, kann aber nur vier Rückenflossen erkennen. Ich muss mich etwas zusammenreißen nicht nach vorne an ELMOs Bug zu rennen. Matthias und ich haben die Abmachung, dass keiner das Cockpit während der Nachtfahrt verlässt, wenn der Andere am schlafen ist.

Ganz gelassen (habe ich ja heute Nacht gelernt) lasse ich mich wieder ins Cockpit fallen mit Blick auf den Sonnenaufgang. Etwas zischt in meinem linken Augenwinkel vorbei. 5 Meter neben ELMO. Schock! Eine Fischerboje!!!

ICH WERFE DIE GELASSENHEIT ÜBER BORD KUPPEL AUS.

Schaue panisch wo sich die nächste Boje befindet, sehe uns schon in ein großes Fischernetz hineinsteuern. In meinem Kopf spielen sich Horrorszenarien von Fischernetz um Kiel und Propeller ab. Ich kann keine weitere Boje um uns herum erkennen. Wahrscheinlich hat sich dieses blöde Ding einfach irgendwo losgerissen und treibt nun auf dem offenen Meer herum. Guten Morgen! Jetzt hellwach! Gegen Mittag können wir die Umrisse von Menorca erkennen, ein kleiner schwarzer Vogel mit knallrotem Bauch fliegt unglaublich schnell um ELMO und begleitet uns ein Stück.

MENORCA – „DIE KLEINERE“.

Viel früher als gedacht finden wir uns wieder in der äußerst engen Einfahrt der Cala Teulera, dem Ankerspot, den wir uns ausgesucht haben. Wir hatten uns eigentlich erhofft, die Einzigen in der Bucht zu sein. Falsch gedacht! Wir bekommen gerade noch einen Ankerplatz neben den ganzen Booten.

Der erste Sonnenaufgang auf den Balearen. Am Abend leerte sich der Ankerplatz dann doch.

GRILLGERUCH LIEGT SCHON BEIM ANKERN IN DER LUFT, SODASS EINEM DAS WASSER WIE STURZBÄCHE IM MUND ZUSAMMEN LÄUFT.

Mahon steuern wir den nächsten Tag an. Da ELMO einen horrenden Haufen Diesel auf der Überfahrt verzehrt hat, wollen wir den Tank auffüllen. Der Tankwart zeigt uns, wo er uns zum Tanken hinlegen möchte. Rückwärts an die Mole, direkt vor die Tanksäule. Das kollidiert mit Matthias’ Ansichten eines gemütlichen Anlegemanövers. Er möchte gerne längst an der Mole vor Kopf festmachen. In der Anfahrt wendet sich der Tankwart, der unsere Leinen entgegennehmen soll, allerdings ab und geht zu seinen Amigos quatschen. Na spitze! Als Matthias ELMO mit der vorderen Hälfte an der Mole längst hat springe ich 1,5 Meter nach unten und komme etwas ins Wanken. ELMO festmachen – check, Tankwart wiederholen – war gar nicht so einfach, der hatte nämlich keinen Bock mehr auf uns, auftanken – mit zähneknirschendem Tankwart, der uns sagt, dass dies der Anleger für Superyachten wäre, check.

Mahon

ICH ERWIDERE, DASS ELMO ’NE SUPER YACHT IST – FINDET ER NICHT LUSTIG.

Kurz darauf legen wir an der Stadtpier von Mahon an. Die Stadt ist nicht mehr überlaufen. Die Kreuzfahrer sind zwar noch da, aber wenn es Abend wird findet man kaum noch Menschen in den Gassen. Wir schlendern und erfreuen uns an der Schönheit der kleinen Stadt.

Cala Galdana ist die zweite Bucht, die wir auf Menorca anlaufen. Sie ist umringt mit Felsen, auf denen wir einen wunderbaren Sonnenuntergang genießen und im glasklaren Wasser schwimmen. Am nächsten Tag stelle ich fest, dass wir schon auf dem Weg nach Mallorca sind, als wir uns recht weit von Menorca entfernten, Delfine mit uns zogen und seltsame kleine Holzstücke mit einem Palmwedel oder Ästen drauf an uns vorbei schwammen, die wie Opfergaben aussahen.

MALLORCA – „DIE GRÖSSERE“ (RAUERE).

Die Cala Molto gibt uns eine Nacht Schutz vor Schwell. In der nächsten sollen Gewitter aufziehen. Matthias und ich beschließen, dass die Bucht sicher ist und wir das Gewitter sowie das schlechte Wetter ebenfalls hier abwettern wollen. Der Schwell nimmt zu, ELMO schaukelt wild von einer auf die andere Seite. Wir fühlen uns, als hätten wir den Zonk gezogen, gehen Anker auf, fahren durch die Bucht um einen weniger schwelligen Platz zu finden, fahren in die nächste, größere Bucht, aber auch das bringt nichts. Wir lassen den Anker wieder in der kleinen Bucht fallen, allerdings 120 Meter weiter drin. Den Schwell müssen wir einfach akzeptieren. Dank Toby können wir die Blitze, die an uns vorüber ziehen, in Echtzeit verfolgen und sehen, wohin das Gewitter zieht. Fasziniert von der Technik und beruhigt, dass das Gewitter uns verfehlen wird, verbringen wir den ersten Tag mit Jogginganzug und Decken im Inneren von ELMO.

Reichlich durchgeschaukelt ziehen wir am frühen Morgen weiter. Vorbei an vielen schönen Ankerbuchten, eine schöner als die Andere, an sicheren, schwellarmen Bojenliegeplätzen in Portopetro, an einer zu kleinen Bucht, der Cala Santanyi, bis wir in der Cala S’Almonia die Kette rauschen lassen. Es schwellt.

WIEDER IM MIXER.

Ein Motorboot hat sich den einzigen geschützten Ankerplatz mitten in der tief eingeschnittenen Bucht unter den Nagel gerissen und liegt ruhig zwischen Felsen geschützt. Ich bin neidisch! Als Matthias den Anker abtaucht und feststellt, dass er nicht eingegraben ist – Meine Chance! – fragt er ob wir wirklich hier bleiben wollen. Nein! Wir nehmen zu den eh schon acht Stunden on Tour eine Stunde Rückfahrt in Kauf um uns an einer Boje in Portopetro schwellgeschützt niederzulassen. Irgendwie liegen an diesem Tag die Nerven ganz schön blank.

JA, ES GIBT AUCH TAGE AN BORD, DIE NICHT MIT SONNENSCHEIN DURCHFLUTET SIND.

An denen eher dicke Gewitter- und Regenwolken über den Köpfen schweben, man sich anzickt und sich nicht wissentlich im Ton vergreift, dem anderen mit irgendetwas an den Karren fährt. Solang man sich abends noch in den Armen liegt und weiß, dass es trotzdem die richtige Entscheidung war, sind aber auch solche Momente, glaube ich, sehr wichtig.

Der nächste Tag verspricht ein schwellarmer in der Cala S’Almonia zu werden, in der wir erneut unser Ankerglück versuchen wollen. Bei zehn Knoten Seitenwind versuche ich, ELMO aus dem vollgestopften Bojenfeld auszuparken. Ich hatte überlegt, mich ein wenig von der Boje wegtreiben zu lassen um mit Vollgas zwischen einem Katamaran und der Boje hindurchzuschießen ohne dabei die hintere Boje in die Schraube zu fahren. Ausparken und rückwärts Einparken kann ich – beim Autofahren.

EIN BOOT IST KEIN AUTO.

Den Wind hatte ich dabei etwas unterschätzt, Matthias kam glücklicher Weise und übernahm dann doch das Steuer um uns hinter dem Katamaran an 3 Bojen vorbeizumanövrieren. Das nächste Mal übe ich glaube ich dann noch mal in einem größeren Becken mit mehr Freiraum.

Tatsächlich hatte sich der Schwell verändert und die Cala S’Almonia wurde zum Schnorchel-, Schwimm-, und Dinghifahrparadies. Bis wir am Morgen mal wieder aus dem Bett geschwellt wurden und die Flucht ergriffen. Irgendetwas war in der Nacht passiert. Zweieinhalb Meter hohe Wellen begleiteten uns bis zur Südspitze von Mallorca. Baby-ELMO tanzte auf und ab, wir schafften es nicht, ihn bei den Bedingungen wieder an Bord zu hieven. Lektion gelernt! Das nächste Mal nicht aus Faulheit handeln und doch lieber alles abfahrbereit am Abend verstauen.

Nach der Südspitze wird es ruhig. Keine Welle nur noch Wind, dafür aber kalt und viel. Uns ist nach Ruhe, Wärme und Schlaf zu Mute. Vor Colonia de Sant Jordi ist die Ankerbucht gestopft voll und unser Delta-Anker will sich auf dem Grund nicht eingraben. Weiter geht’s! Es Trenc ist komplett leer und bietet Unterhaltungsfernsehen für Segler in Form einer Regatta. Ich verliebe mich in ein Boot mit blauem Spinnaker und schwarzen Carbonsegeln. Verrückt, wie die an einem vorbei schießen.

Bikini- und Badehosenzeit vorbei! 30 Grad, nur noch unterm Ölzeug!

WIR SITZEN IM COCKPIT, ES IST SCHWEINEKALT, ES REGNET UND DIE FEUCHTIGKEIT ZIEHT IN ALLE RITZEN!

Wir freuen uns wie Bolle auf das, was kommt, aber unsere Gesichter sind einfach nur müde. Morgen wird Weihnachten, Geburtstag und alles auf einmal sein für uns. Philipp und Alena kommen uns besuchen. Solche Besuche bekommen an Bord einen höheren Stellenwert und sind großen Festtagen gleichzusetzen, an denen man sich trifft, beisammen ist, trinkt und quatscht.

SOULFOOD HALT.

Am 23. Oktober laufen wir den Hafen von S’Arenal an. Leider eine halbe Stunde zu spät um auch noch Mareike, eine ehemalige Arbeitskollegin, zu treffen, die ein paar Tage auf Mallorca verbracht hat. An Land ist es ganz schön heiß. ELMO sieht aus wie Sau und will noch für den neuen Besuch geputzt werden. Man glaubt gar nicht, was es für ein Luxus ist, wenn man das Bett mit einem frisch gewaschenen Bezug überzieht, die Fenster wieder aufmachen kann, weil es aufgehört hat zu regnen, man nicht mehr in einer Tropfsteinhöhle an Kondenswasser sitzt, heißes Wasser zum Abspülen aus der Leitung kommt und das Boot nicht von links nach rechts schaukelt, während das Geschirr der letzten 3 Tage mit einem „Rrrrtsch“ über die Küchenplatte saust und man das Ölzeugs ausziehen kann. Wunderbar!
 
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