Zum Glück nicht assozialisiert! Reisegruppe Planlos findet ein Quartier für den Winter & trifft auf sehr seltene Meeresbewohner.

Wieder zu zweit, wieder alleine auf ELMO. Auf den Ionischen Inseln. Wir stehen mit 2x 30 Meter Schwimmleinen an Bord und versuchen auszubaldowern, wie wir die Landleinen ausbringen, während Matthias ELMO steuert, ich den Anker nach unten sausen lasse und wir zwischen zwei millionenschweren Motorbooten, die wie überdimensionale Bügeleisen aussehen, einparken wollen, natürlich ohne der Versicherung Arbeit zu bereiten. Waren wir vor Kurzem noch zu viert an Bord und konnten uns die Arbeit aufteilen, müssen wir nun alle Arbeitsschritte wieder auf uns beide verteilen. Ohrenbetäubende türkische Popmusik erschwert die Kommunikation. Nach kurzem Hin- und Herdenken steht der Plan fest! Matthias fährt Rückwärts, sobald der Anker am Boden ist. Die Nachbarn stehen, links und rechts von uns, mit Schampus an Deck und schauen etwas skeptisch zu. Die Kettenmarkierung, von 40 Meter, liegt jetzt auf der Wasseroberfläche. Zeit ans Heck zu hechten und ins Wasser zu springen.

MIT EINEM GEKONNTEN KÖPPER UND EINER DER LANDLEINEN SPRINGE ICH INS GLASKLARE WASSER UND DENKE „YES – AKTION LÄUFT SPITZE!“ BIS ICH BEMERKE, DASS MEIN KOMPLETTES HINTERTEIL DURCH DIE WUCHT DES WASSERS FREIGELEGT WURDE.

Schnell wieder den Bikini an Ort und Stelle zuppeln und weiter geht’s! Mit Taucherbrille und Segelschuhen bewaffnet, stellen sogar die scharfkantigen Steine, die teils unter Wasser Kolonien von Seeigeln beherbergen, keine wirkliche Gefahr mehr dar. Ein mulmiges Gefühl bleibt doch, da ich vor ein paar Tagen einer Muräne bedrohlich nahe gekommen bin, die versteckt in einer Ritze saß und mich mit ihrem fiesen Gesicht in Angriffsposition begrüßte, als ich einen halben Meter vor ihr war. Diese Schock-Erfahrung muss ich nicht unbedingt noch mal machen und möchte ihr auch nicht meine Achillesferse als Muränenmahlzeit kredenzen! Also schnell weg von den vielen Spalten und Kanten. Die Felsen sind zerklüftet und bieten unendlich viele Möglichkeiten zum Festmachen. Leine drum, Palsteg festgezogen und schnell wieder zurück zu ELMO. 30 Meter sind viel, und bei 30 Meter können sich verdammt viele Knoten bilden. Beim Schwimmen entwirre ich 5 dieser, bis ich atemlos an ELMOs Badeplattform ankomme, um Matthias das Ende der Leine zu geben. Für’s Erste sind wir fest und sicher. Wir sind ein bisschen stolz, umarmen und küssen uns und unsere Nachbarn zollen uns mit zwei Daumen hoch Respekt für diese Aktion, bevor sie sich wieder der Partymusik, dicken Zigarren und dem Champagner widmen. Die nächste halbe Stunde geht dafür drauf, die Landleinen so auszubringen, dass ELMO mercedessternförmig vor den Felsen liegt. Wir sind fest! Endlich Ruhe! Schnorcheln, paddeln, lesen, genießen.

Ab und an kommt mal ein riesiger Besucher vorbei.

Am nächsten Tag werden wir in Paxos auf Lefkas von der Küstenwache weggeschickt. Wir haben anscheinend zu nah an der Badezone geankert (mit ca. 5 weiteren Eigner- und 20 Charterbooten). Allerdings bekommt man erst solche Informationen, sobald die Flottille mit 20 Charterbooten die Bucht verlassen hat, nachdem die Crews all ihr Urlaubsgeld in den Tavernen und Bars der Bucht gelassen haben und gerade Anker auf gehen. Etwas verdutzt machen wir uns auf den Weg, wie der Rest der Eignerboote. Die Bucht mit dem perfekten Ankergrund ist nun leergefegt. Wir sind nicht sicher, ob wir noch vor Sonnenuntergang einen Ankerplatz bekommen und fühlen uns etwas gestresst. In der Durchfahrt von Lefkas und Meganisi ist noch genau ein Sandfeld zum Ankern frei, das wir uns schnell unter den Nagel reißen. Etwas schwabbelig hier, da die Fähren mit Karacho durchdüsen, aber die müssen ja auch irgendwann schlafen, denken wir uns und nehmen es hin.

Wie lange noch können wir durch das Ionische Meer segeln, ohne das uns die Füße abfrieren? Dieses wunderbare Familienfoto hat Susanne von uns gemacht! Klickt ihr auf das Bild, kommt ihr auf Susannes Blog.

REISEGRUPPE „PLANLOS“ SOLLTE SICH MAL BALD GEDANKEN UM EINEN WINTERLIEGEPLATZ FÜR ELMO MACHEN, DENN IN DEN FOREN KANN MAN SCHON LESEN, DASS ES ENG WIRD IN DEN FAVORISIERTEN MARINAS.

Kreta fällt schon mal weg, komplett vollgestopft. Seit Juni. Fahren wir noch auf die Kykladen oder wollen wir vielleicht doch für den Winter zurück nach Ragusa in Sizilien, wo die Kiwis sind und eine phantastische Liveaboard-Community angepriesen wird? Sind die anderen Marinas ebenfalls ausgebucht oder bekommen wir noch einen Platz? Wo ist das Wetter ok? Hat man vielleicht sonst wo noch eine Liveaboard-Community mit vielen Menschen, die ebenfalls den Winter auf dem Boot verbringen? Fragen über Fragen! Matthias durchwühlt sämtliche Klimadiagramme, ruft Marinas an, lässt sich Angebote machen, während ich die Herren und Damen in den Internetforen löchere. Doch eine Entscheidung treffen wir nicht. Die letzten Wochen stecken uns noch ganz schön in den Knochen, weswegen wir uns eigentlich nicht schon wieder hetzen wollen. Es hat allerdings den Anschein, dass wir nicht so unbedarft wie letztes Jahr in irgendeinen Hafen einlaufen können und dort bleiben, wo wir es schön finden. Wir sind etwas ratlos.

EIN SEHR TEURES MANÖVER BRINGT EINEN SKIPPER INS GRIECHISCHE GEFÄNGNIS.

Gewitter rollen mal wieder an und wir wollen uns nach Vlicho verkrümeln. Vlicho ist definitiv die hässlichste, aber dafür eine sehr geschützte Bucht auf Lefkas. Auf dem Weg in die triste Matschsuppe legen wir noch einen Stopp in der Tranquility Bay ein. Vor ein paar Jahren ist hier ein Medicane durchgerauscht und hat einige Boote zerlegt. Unschwer zu erkennen an den armen gesunkenen Seelen, die nun vor sich hinrotten. Irgendwie seltsam umgeben von Wracks zu ankern. Am späten Nachmittag legt ein dickes Motorboot den Hebel mit Vollgas rückwärts auf den Tisch, da der Skipper anscheinend einen kleinen Katamaran übersehen hat. Unglücklicherweise entfacht er dabei solche Wellen, sodass an den Stegen vor der gegenüberliegenden Stadt Nidri die Segler anfangen, wie auf Extacy zu tanzen und dabei nicht nur ihre Masten und Salinge aneinanderschlagen. Die Geräusche hallen tief in unsere Gehörgänge und wir verziehen mitleidig die Gesichter, während auch ELMO die Wellen abbekommt, aber vor Anker niemandem zu nahe kommt. Dieser kleine Move hatte es ganz schön in sich. Mehrere tausend Euro Schaden wurden verursacht und die Diskussionen mit der Küstenwache, den Stegbetreibern, die in ihren Dinghis vor der Badeplattform des Motorbootes ausharren müssen und den Unfallverursachern, die zwischendurch mal ihre zwei Rottweiler (wahrscheinlich zur Abschreckung) auf die Badeplattform schicken, gehen lautstark und bis tief in die Nacht. Später erfahren wir, dass der Skipper des Motorbootes nun im griechischen Gefängnis sitzt, bis die Sache geklärt ist, während der Eigner sich schon einen neuen Skipper geordert hat und wieder lustig durch die Gegend saust.

Vlicho ist echt nicht wirklich schön, dennoch gibt es ein paar schmucke Ecken zu entdecken!

Zum Beispiel ein verlassenes Hotel, was leider abgesperrt ist.

Oder frisches Gemüse in den Gärten der Bewohner.

In Vlicho verbringen wir doch tatsächlich drei Tage vor Anker. Jede Nacht rollt ein Gewitter mit starkem Wind und Regen über uns. Man kann die Uhr danach stellen! Um Punkt 3:00 Uhr geht’s los! Boote fangen an zu draggen (wenn der Anker nicht hält und das Boot mitsamt Crew auf Drift geht), Positionslichter und Motoren gehen an und es wird mitten in der Nacht bei Starkregen durch die Bucht gefahren, auf der Suche nach einem neuen Ankerplatz. Nervenaufreibend! Auch wenn der eigene Anker hält. Am dritten Tag ist es endlich mal eine längere Zeit trocken und man kann sich die Füße an Land vertreten. Schön ist allerdings auch anders. Dennoch findet man auch an nicht so tollen Orten immer wieder interessante Eckchen. Stockrosensamen gibt es in der ganzen Bucht leider nicht, die hatte sich nämlich eigentlich meine Mutter zu ihrem Geburtstag gewünscht. Herrenlose Katzen und Hunde gibt’s hier allerdings in Hülle und Fülle.

BEIM EINKAUFEN MÜSSEN WIR MAL WIEDER PITSCHNASS FESTSTELLEN, DASS UNSER DINGHI ETWAS UNTERDIMENSIONIERT IST.

Es ist Zeit für ein Neues. Vielleicht ein Gebrauchtes? Mit Festrumpf und dicken Schläuchen. Doch da bleibt uns der Schnabel trocken. Es gibt zwar welche zu verkaufen, die sind aber so groß, dass sie nicht auf ELMO passen. Wir entscheiden uns, ein neues Dinghi zu kaufen, mit aufblasbarem Boden, wie bei einem Stand-up-Paddle-Board. Das soll in die Marina nach Lefkas geliefert werden.

Lefkas ist eine kleine wunderschöne Stadt mit Gässchen, allerlei Geschäften, Menschen, netten Cafés und Bars, von der Marina super gut fußläufig zu erreichen. Auch die Marina und das pulsierende Leben gefällt uns gut. Nach ein paar Minuten hat man schon eine Menschentraube ums Boot stehen, die sich alle mit Händen und Füßen und auf Englisch unterhalten. Nach einem Gyros-Teller, der Reparatur des Schlosses unserer Toilettentür und einem weiteren Gewitter fahren wir aus der Marina und haben einen Liegeplatz für den Winter!

ELMOS ZUHAUSE IN DER KALTEN JAHRESZEIT WIRD NUN DIESE DER IONISCHEN INSELN, DIE MIT EINER DREHBRÜCKE MIT DEM FESTLAND VERBUNDEN IST.

Doch noch Stockrosensamen gefunden!!!

Meinen Geburtstag verbringen wir in Varco. Die Engländer nennen diese Bucht am Festland Griechenlands „One Tree Bay“. Da dort ein einzelner dicker Baum rumsteht, der den Ziegen Schatten spendet. Am Morgen kommen Delfine in die Bucht und springen umher, was das Verrückteste ist, das ich in letzter Zeit gesehen habe. Evelin vom Nachbarboot schnorchelt vorbei und wir quatschen ein Weilchen zu O-Saft und dänischen Keksen. Matthias backt einen Zitronenkuchen, der viel mehr nach Schokolade schmeckt, während ich den Tag damit verbringe, zu telefonieren und die Aussicht und Ruhe zu genießen. In Freusburg ist auch der Blumenstrauß angekommen, den wir meiner Mutter zum Gebutstag bestellt haben (ja, wir haben am selben Tag Geburtstag ;)). Am Abend wird der Geburtstagskuchen mit Evelin auf der Rush, zu Rotwein und verrückten Kunststücken ihrer Katze verspeist.

Uns zieht es weiter. Wir wollen ein bisschen was entdecken und so landen wir in unserer absoluten Lieblingsbucht auf Kalamos. Agios Donatos ist eine kleine Kapelle, die von einem Erdbeben zerstört wurde und liegt umsäumt von Pinien und Zypressen am glasklaren Wasser. Wespen sind gierig auf der Suche nach Süßwasser und hängen zu Hauf an unserem Wasserhahn im Salon um sich einen Drink zu gönnen, bevor sie am Abend alle wieder verschwunden sind. Wir liegen alleine in der Bucht.

DER STERNENHIMMEL ÜBER UNS IST SO WUNDERSCHÖN KLAR, DASS WIR DOCH TATSÄCHLICH DAS ERSTE MAL NACH 1,5 JAHREN BIS MITTEN IN DIE NACHT AUF DEM VORDECK SITZEN UND STERNSCHNUPPEN GUCKEN.

Wir bleiben hier, denn hier gefällt’s. ELMO liegt sowieso wie eine Spinne in ihrem Netz, da wir den Zweitanker und auch noch die Landleinen ausgebracht haben. Wir schnorcheln und entdecken knitscheknatsche rote Seesterne, bunte Fische, altes gesunkenes Holz und einen dicken Traktorreifen. Ich hab ein Herz für alte, zerfallene Gebäude, aus diesem Grund müssen wir natürlich noch nach Gerolimionas fahren.

Der Ort wurde ebenfalls bei einem schweren Erdbeben zerstört und nicht wiederaufgebaut. Die Kirche allerdings ist in einem wunderbaren Zustand, denn die früheren Einwohner tingeln jeden Sonntag mit ihren schwimmbaren Untersätzen hier an um die Kirche auf Vordermann zu bringen und in die Messe zu gehen. Apropos Erdbeben! Wie fühlt es sich eigentlich an wenn gerade ein Erdbeben wütet während man auf einem Boot ist? – Nichts passiert! Um uns rum soll es wohl ein mittelschweres Erdbeben gegeben haben, was wir in keinster Weise mitbekommen haben, doch am nächsten Tag von Gemma und Nick erfahren. „Hat’s bei euch nicht gewackelt wie Sau? – Hier in Lefkas haben die Regale gebebt und Sachen sind umgefallen!“ Wir haben rein garnichts mitbekommen!!! Vielleicht aber auch gut so ;).

Während wir die Ruinen erkunden, läuft die Mistral in die Bucht ein und wir freuen uns wie Bolle auf Susanne, die wir das letzte Mal in Spanien gesehen haben. Das ist fast wie ein Familientreffen! Wahnsinn!

ELMO, ein Motorboot mit lustigen Österreichern und die MISTRAL, die gerade angetuckert kommt.

Und die Drohne lassen wir auch noch mal steigen.

JECK IM MONDSCHING!

Es wird gekocht, getrunken, gequatscht und geschwommen. Beim Schnorcheln treffen wir auf einen Babyoctopus, dem wir eine Muschel auf den Kopf setzten, zum Dank pupst er uns mit schwarzer Tinte an und verzieht sich in eine Felsspalte. Später können wir endlich unsere Glücksbringerzeremonie durchführen. Die Kölsche Flagge muss runter und die Überbleibsel, also der arme, geschundene Fetzen, durch eine niegelnagelneue ersetzt werden. Das wird gefeiert! Bei Kölsch und schiefen Tönen zu kölscher Musik. Selbst Susanne2, die eigentlich aus Hamburg kommt und gerade mit Susanne auf der Mistral wohnt, muss mitmachen. ELMO bekommt eine Kölschdusche und die neue Flagge flattert im Wind während drei „ehemals-Immis“ (Susanne hat nämlich auch mal in Köln gewohnt) voller Inbrunst die Bucht beschallen. In der Nacht wecken wir noch einen Franzosen, der bei den seltsamen Fallböen durch die Bucht driftet. Er setzt seinen Anker neu und alle können beruhigt schlafen gehen.

Aus alt…

…wird neu!

Auf Kastos treffen wir ein Österreicher Motorboot-Pärchen wieder, mit ihren zwei Mädels, die Matthias am Abend vorher erfolgreich aus der Bucht vertrieben hat. Der Wind kam irgendwie seltsam die Klippen runtergerauscht und wir kamen uns dann doch sehr nahe mit den Booten. Nachdem sich die zweijährige Victoria schon den freien Platz neben mir im Restaurant gesichert hat und mit breitem Grinsen unser Brot futtert, kommen auch ihre Schwester und die Eltern dazu und wir verbringen einen wunderschönen, lustigen Abend in einer verlassenen Taverne neben einer Windmühle.

EINE FLOTTILLE GEHT IM HAFENBECKEN AUF DRIFT.

Wieder auf Kalamos in der gleichnamigen Stadt angekommen, sind wir auf der Suche nach frischem Brot und wundern uns, ob die Urlaubssaison schon vorbei ist, da die Straßen leergefegt sind. Auf dem Rückweg gönnen wir uns noch einen Frappé im Cafe und greifen etwas WLAN ab. Ein paar Minuten später merken wir, dass die Urlaubssaison noch nicht vorbei ist! 20-30 Boote kommen in den kleinen Hafen eingelaufen und vertäuen sich auf äußerst kreative Art und Weise. Die Segler werden seitlich, Bug an Heck, mit Leinen untereinander festgemacht und die Crew des letzten Bootes muss über alle Boote wandern um an Land zu kommen. Der Wind frischt merklich auf und plötzlich knallt’s. Eine Leine ist gerissen. Zwischen einem Katamaran und der Pier. Am Katamaran hängen, wie oben beschrieben 10 Segler. 11 Boote gehen im kleinen Hafenbecken auf Drift. Keiner brüllt, alles ist ruhig. Im Schneckentempo holt der Katamaranbesitzer eine neue Leine aus der Backskiste und nach einer Weile schaffen es zwei Skipper mit potenten Dinghis, die Flottille auf Drift wieder festzumachen. Wir fragen uns ob die Menschen auf den 10 Booten das alles überhaupt mitbekommen haben, denn viele sitzen noch beim Anlegebierchen im Cockpit und prosten sich zu.

Armer Schmetterling, total zerfleddert von der Katze mit den zwei unterschiedlichen Augenfarben!

BYEBYE BABY-ELMO, HALLO TUGBA!

Bald bekommen wir wieder Besuch. Tugba hat sich angekündigt. Wir hatten ihr schon berichtet, dass es sein könnte, dass uns Italien mal wieder assozialisiert hat und wir nicht genau wissen, ob wir noch besuchskompatibel sind. Aber bei Tugba lassen wir es auf einen Versuch ankommen, denn wenn es mit Tugba nicht klappt, wissen wir, dass wir am Besten unser weiteres Leben ohne soziale Kontakte auf ELMO verbringen sollten. Wir machen uns auf nach Norden.

Peter, ein Engländer, möchte Baby-Elmo kaufen, schreibt er über Facebook. Baby-ELMO müssen wir leider loswerden, sobald unser neues Dinghi in Lefkas in Empfang genommen wird. Er möchte nach Lefkas kommen und es sichten und gegebenenfalls mitnehmen. Das hört sich gut an, denn Tugba nehmen wir ebenfalls in Lefkas an Bord.

An der Stadtpier in Lefkas kann man für lau liegen, wir entscheiden uns aber im Becken davor zu ankern, denn die Stadtmole ist schon recht voll. Liegeplätze bekommt man nur da, wo es rostige herausstehende, undefinierbare Sachen gibt. Matthias holt das neue Dinghi, was eine halbe Weltreise, dank zweier gescheiterten Zustellversuchen hinter sich hat, im Marinabüro ab, während ich auf ELMO aufpasse und jegliche Charterer mit Vollgas-Einparkversuchen kritisch beäuge. Während die Sonne brennt und uns der Schweiß in Sturzbächen den Körper runterläuft, pumpt Matthias das neue Dinghi auf. Über Lefkas hängt eine schwüle dicke Decke. Gewitter sind mal wieder im Anmarsch. Gerade baumeln die beiden Dinghis an ELMOs Heck als Peter schon mit seinem Kinderplanschbecken auf uns zurudert und ein drittes Dinghi seinen Platz an ELMOs Heck findet.

ER BRAUCHT DEFINITIV EIN UPGRADE!

Denn das, worin er rudert, ist wirklich nichts weiter als ein Fetzen Plastik, der gerade noch so die Luft in seinen geflickten Schläuchen behält. Der Engländer ist äußerst lustig und sehr sympathisch – unser Baby-ELMO ist bei ihm bestimmt an der richtigen Adresse. Er grinst wie ein Honigkuchenpferd als er von dannen paddelt, im stabilen Dinghi, mit festem Boden und einem Spiegel, an dem man sogar einen Außenborder befestigen kann. Er fragt noch wie lange er Garantie auf den neuen Gummigefährten hat und muss herzhaft lachen als Matthias sein Späßchen bierernst nimmt. „The Germans – they’ve a sense of humor, they take it very seriously!“ lacht er und zieht ab.

Über Preveza geht ein heftiges Gewitter runter, wir bekommen nur die schönen Schauspiele der Natur zu sehen und hören ab und an das Gewittergrollen. Tugba kommt an, als es schon längst dunkel ist. Davor kommt eine Bedienungsanleitung per WhatsApp von Nico, Tugbas Freund. Wir machen uns fast in die Hose vor Lachen!

Tolle Farben und eine riesige Gewitterwolke über Preveza.

ELMO bekommt am nächsten Tag viel überschäumende Liebe von Matthias und wird geschrubbt bis wieder alles glänzt, Tugba und ich sind derweil auf Erkundungstour durch Lefkas. Am Strand, nahe der Drehbrücke entdecken wir Lost Places und einen Muskelmann, der im Tanga seine Pobacken- und Bizeps-Muskeln zum Rauschen des Meeres spielen lässt. Beim Großeinkauf im LiDL sind wir konfrontiert mit dem nicht funktionierenden Taxisystem auf der Insel und werden glücklicherweise von einem netten Herren mit deutschem Nummernschild, den ich gerade noch in der Abfahrt erwischen kann, eingesackt. Er nimmt uns mit zur Marina und all die verderblichen Sachen landen dann doch noch rechtzeitig in der Kühlung. Am Abend kommen die beiden Susannes von der Mistral eingelaufen und wir veranstalten eine Gyros-Pita-Party, die bei der Bestellung etwas ausgeufert ist.

 

Ausgeschlafen aber immer noch vollgefuttert, werfen wir endlich die Leinen los. In Nikiana habe ich einen Massagetermin. Ergonomisches Arbeiten an Bord ist nicht gegeben, ich habe mir mal wieder am Laptop hart den Rücken verzwickelt. Die Matratzensituation in der Koje ist auch nicht gerade rückenfreundlich. Ich hoffe einfach auf heilende Hände, die den geschundenen Gräten gut tun. Der Anker hält nicht beim ersten Mal, also geht eine viertel Stunde der Massagezeit ab. Mist! Jotta, eine junge, ausgeflippte Physiotherapeutin, nimmt’s hin und schafft es trotzdem, meinen Rücken weich wie warme Butter zu kneten, auch wenn ich mich häufig ins Massagebett krallen muss und hecktisch meine Augen aufreiße, während ich mich zurückhalte, nicht direkt loszubrüllen, wenn sie mal wieder genau die Stellen trifft, die weh tun. Ich fühl mich leicht wie eine Feder und etwas benommen, als ich umgeben von Mandelölduft zurück zum Dinghi schlendere.

GEBURTSTAGS-DILEMMA IN DER BADEBUCHT.

Zum Segeln fehlt irgendwie der Wind. Oft motoren wir durch die Gegend auf der Suche nach einer schönen Bucht mit klarem Wasser zum Baden. In Antri werden wir fündig. Hier ist ein schönes Plätzchen um Matthias’ Geburtstag zu feiern. Tugba und ich kümmern uns um einen adäquaten Geburtstagskuchen während Matthias den Gratulanten fröhnen darf. Wir versuchen uns in Yogaübungen auf dem Paddlebord und scheitern unter lautem Lachen. Festgetackert mit Anker und zwei Landleinen genießen wir den Nachmittag und stoßen zu Apfelstreußel auf den Skipper an. Ein Katamaran mit einem Haufen Deutscher kommt in die Bucht und möchte neben uns ankern. Freischwojend keine gute Idee. In der Bucht sind Fallböen unterwegs und bei der Wassertiefe muss man recht viel Ankerkette stecken. Macht man nicht mit zwei Landleinen zusätzlich fest, spielt man in der Bucht als Freischwinger, zwischen all den festgetackerten Booten Abrissbirne. Da ich gerade eh auf dem Paddlebord bin, biete ich an die Landleinen auszubringen, da keiner der Crew aussieht, als würde er in den nächsten Minuten ins Wasser springen um diese festzumachen. „Kein Bedarf“ – hallt mir entgegen und ich zieh unverrichteter Dinge wieder ab. Nach ein paar Minuten werde ich allerdings wieder zurückgerufen – „Ob man doch nochmal auf das Angebot zurückkommen könnte?“. Klar! Landleine des Katamarans fest, alle atmen auf. Matthias kann sich auch wieder zurücklehnen! Bis ein Italiener in die Bucht kommt und – wie sollte es anders sein – sich noch zwischen uns und den Katamaran auf unserer Backbordseite quetschen will. Jetzt werde auch ich hektisch und ein wenig ungehalten, denn Platz ist da definitiv nicht mehr! Der Italiener lässt sich nicht abbringen, setzt zwei Leute der Crew im Dinghi ab, die die Landleinen ausbringen sollten. Diese paddeln aber im Kreis und kommen kaum vom Fleck. (Scheiß Situation, hatte ich auch mal und war der Lacher der gesamten Bucht! Ein Dinghi paddeln – „Kein Problem!“ – Denkste! Aber manchmal schwer wenn an zu wenig Platz hat die Paddel zu bewegen!). Irgendwie klappt’s dann doch, aber uns ist nicht wohl bei der Sache. Wir bitten den Italiener mehrfach Backbordseitig des Katamarans zu ankern, denn dort ist noch genug Platz. Nach langem Hin- und Her tut er es dann endlich! Die Deutschen auf dem Katamaran wollen das Ankermanöver noch mal fahren, denn der Anker hatte sich nicht vergraben, sondern liegt noch voll auf der Seite. Die Landleine soll aber dran bleiben. Während sie anfangen Anker auf zu gehen und die Landleine rauszufieren, gibt’s ein seltsames Geräusch, das Dinghi an den Davits macht einen ruckartigen Satz und die Maschine fällt aus! Dinghileine in die Schraube gefahren! Mist. Während jemand versucht die Schraube von der Dinghileine zu befreien, der Anker nicht hält, frischt der Wind auf und der Katamaran wird auf den endlich festgemachten Italiener geschoben. Wir werfen eine Leine rüber und versuchen den Katamaran an ELMO festzumachen, damit er nicht auf den Italiener treibt. Auch wenn ein Katamaran zwei Motoren hat und er in solch einer Situation noch manövriertüchtig ist, ist es keine gute Idee den Motor anzuwerfen wenn noch Leute im Wasser sind, die an der anderen Schraube rumfuhrwerken.

DIE SCHRAUBEN EINES KATAMARANS SITZEN RECHT WEIT HINTEN UND KÖNNEN IN SOLCH EINER SITUATION ALS FLEISCHWOLF SCHLIMME DIENSTE LEISTEN.

Aber auch die Situation ist irgendwann wieder im Griff und alle sind happy. In der Nacht kommen heftige Böen runter, wir schwingen, trotz Landleinen krass umher und sind unglaublich froh, dass wir den Italiener weggeplärrt haben, denn der würde jetzt ganz schön mit ELMO kuscheln.

Morgens werden wir von unseren Nachbarn begrüßt.

Nachmittags bekommen wir Besuch von einer Schule Delfinen!

 

Auch am Morgen bleibt es spannend, denn der Italiener hat seinen Anker unter einem Stein eingeklemmt. Das Boot driftet Richtung Felswand und egal wie sehr die Ankerwinsch an der Kette zieht, der Anker kommt nicht klar. Matthias wird von einem kleinen schlechten Gewissen geplagt, da wir sie gestern dort hingeschickt haben. Er fährt mit dem Dinghi rüber und hilft den Anker auszubrechen. Was funktioniert, da er gegen die Eingrabrichtung des Ankers an der Kette zieht. Er fährt mit dem Anker im Schlepptau Richtung Buchtmitte, gefolgt vom italienischen Segelboot. Hier besteht nun keine Gefahr mehr auf Felsen getrieben zu werden und der Anker wird an Bord genommen.

„DU KOMMST HIER NET REIN!“

Höhepunkt unseres Trips mit Tugba soll die Shipwreck Bay auf Zakynthos werden. Das ist eine wundervolle, malerische Bucht im Nordwesten Zakynthos. Hier liegt seit Ewigkeiten ein Wrack umsäumt von hohen Felsen, in einer karibischen Bucht mit blauestem Wasser und hellem Sandstrand. Erreichen kann man diese Bucht nur mit dem Boot!

Wir haben einen Plan ausgeheckt um die Bucht ganz alleine genießen zu dürfen, denn diese Bucht ist eine der Haupttouristenattraktionen Griechenlands. Wir fahren ganz früh, um halb 5, in einer Bucht los um zum Sonnenaufgang dort zu sein. Bevor all die Tripperboote mit den Touristenschwärmen kommen und all die Menschen dort auskotzen, sind wir schon wieder weg. – So unser Plan! Wir fahren doch tatsächlich im Stockfinsteren los und erleben einen wunderbaren Sonnenaufgang.

Auf dem Weg nach Zakynthos

Diese Farben <3

IN DER BUCHT WERDEN WIR VON DER KÜSTENWACHE MIT 5X BLITZLICHT EMPFANGEN.

5 x Blitzlicht heißt: Du kommst hier nicht rein! Wir funken und fragen was los ist. Die Küstenwache antwortet. „Zu gefährlich hier, ihr dürft hier nicht rein und auch nicht ankern! Shipwreck Bay gesperrt! Gestern ist ein Felsbrocken in der Hauptverkehrszeit auf den Strand runtergestürzt.“ Wir erfahren, das es sieben Verletzte gab, sind ganz schön betroffen und fahren weiter.

An der linken Felswand kann man noch erkennen wo sich der Fels gelöst hat. Der Schutt ist schon weggeräumt, die Küstenwache ist aber noch da und scheucht alle weg, die in die Bucht wollen.

Im Morgengrauen setzen wir Kurs auf Kounopetra. Fischer sind auch schon unterwegs und holen ihre Netze ein.

In der Seekarte steht Kounopetra ist eine Bucht mit „poor surroundings“, deswegen ist es hier wahrscheinlich so leer und genau deswegen unglaublich schön! Wir gehen baden, entdecken verrückte Felsformationen und sogar Nistplätze von Meeresschildkröten. Wunderbar! Yoga am Strand zum Meeresrauschen und ein Barfußspaziergang runden den Besuch in der „ärmlichen“ abgeschiedenen Bucht ab. Bevor wir Tugba schon bald wieder in Argostoli absetzen müssen, verbringen wir noch einen Tag und eine Nacht vor Lixuri.

Neue Demo für ELMO

Ein Nest voller Meeresschildkröteneier!

Am Abend geht Tugba noch im Sonnenuntergang baden.

EIN GANZ SELTENES GESCHENK DER NATUR!

Nichtsahnend stehen wir an Deck und wollen uns für den Landgang bereit machen, als Tugba hektisch auf etwas Seltsames im Wasser zeigt. Wir können nicht wirklich ausmachen was es ist. Ein Delfin, eine Meeresschildkröte oder doch Müll, der immer wieder auftaucht? NEIN!!!! Eine MITTELMEERMÖNCHSROBBE kugelt sich im Wasser vor uns und kommt immer näher! Das ist der absolute Überwahnsinn!!!

VON DIESEN VERRÜCKTEN TIEREN GIBT ES NUR NOCH 300-400 EXEMPLARE AUF DER WELT UND EINES DAVON SPIELT IM WASSER VOR ELMO!

Das ist so verrückt! Überglücklich von der Sichtung dieses raren Exemplars tuckern wir mit dem Dinghi an Land und futtern uns die Bäuche rund.

Da Argostoli eine Lagune ist, die hauptsächlich mit Matsch gefüllt ist, machen wir einen kurzen Abstecher in eine Badebucht und springen zu Motorbootwellen ins Wasser. Um uns rum ist ganz schön was los. Viele Spaßspielzeuge, die seltsame Kreuzsee entfachen. Menschen, die sich auf aufblasbaren Sofas durch die Luft wirbeln lassen und Leute die ihre ersten Stehversuche auf Wasserski machen. Zu hektisch hier. Wir ziehen um nach Argostoli und werden sofort von Meeresschildkröten willkommen geheißen, die sich Argostoli als ihre Heimat ausgesucht haben. Die Stadt versprüht einen leichten Hauch von Nachsaison, denn viele Läden sind schon geschlossen.

ABER IST DAS NICHT DIE SCHÖNSTE ZEIT EINEN ORT ZU ERKUNDEN?

 

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