Ein Jahr und Meer… 

Es ist schon eine ganze Weile her, seit wir die Leinen in Slowenien losgeworfen haben und mit ELMO das große Blau unsicher machen. Hier könnt ihr ab nun unsere Route und die Ereignisse im Überblick ansehen. Restaurantempfehlungen, klasse Ankerplätze und viele weitere Infos gibt’s obendrauf, ebenso wird die Karte nun ständig aktualisiert.

 

Ungesehen, am Telefon gekauft.

20. Februar 2017, 8:15 Uhr. Wir finden uns wieder vor unserer Wohnungstüre in Köln. Ich muss auf die Arbeit, Matthias umarmt mich lange und fest, wir küssen uns, hören das Herz des jeweils anderen pochen. Die ganzen Wintermonate bis jetzt haben wir uns Gedanken gemacht, diskutiert, viele Möglichkeiten durchgespielt. Neben dem Eingang hängt das gerahmte Holstee Manifesto: „This is your life. Do what you love, and do it often … stop over analyzing … travel often … some opportunities only come once … live your dream and share your passion …“. Wir lesen es ein letztes Mal laut durch. Ja verdammt – es ist unser Leben und wir haben da einen Traum den wir gerne gemeinsam verwirklichen möchten.

Wir machen es jetzt einfach!

Aus den Lautsprecherboxen des Autos ertönt der Songtext meines neuen Lieblingsliedes: „Remember how we say someday we will set sail!“ Abgefahrenes Gefühl! – In diesem Moment rief Matthias beim Bavaria-Händler an, kaufte ELMO, ich fuhr auf die Arbeit und versuchte mir meine Worte zurecht zu legen – für das Gespräch mit meinem Vorgesetzten. Das war einer der emotionalsten Momente der letzten Jahre!

ELMO unser neues Zuhause

Natürlich war nicht immer alles leicht und diese Entscheidung fällt man auch nicht einfach mal an einem Wochenende. Der Traum einer Auszeit auf See begann bei Matthias 2012, als ihn das Segelfieber auf seinem ersten Törn packte. Für mich schien es alles unerreichbar, nachdem ich aber viele Bücher von Menschen verschlungen hatte, die sich genau diesen Traum erfüllt hatten, viele Urlaube auf dem Boot verbrachte, jedes Mal Sehnsucht nach Meer, Wind und dem „Schwappen“ bekam sobald wir zurück nach Hause fuhren, man sich die ganze Woche auf die neuesten Videos der SV Delos und Sailing La Vagabond freute, reifte auch bei mir so langsam dieser Gedanke.

Wir hatten uns schon ein paar Boote angeschaut, aber es war nie das richtige Bauchgefühl, irgendetwas stimmte noch nicht.

Sie war die Erste, die wir uns anschauten – Jule – eine wunderschöne alte Stahllady aus den Anfängen der 70er, mit Holzmast und einem unglaublich detailverliebten Innenausbau, in liebevollster Kleinstarbeit wieder aufgearbeitet von Michael Bouwmeester – einem holländischen Möbeltischler aus Düsseldorf. Wir hatten Angst, die schöne, alte Lady nicht in diesem Zustand erhalten zu können, wie sie war. Für das, was wir vor hatten etwas zu klein, außerdem waren wir ja noch in den Anfängen ;). Sehr schade… sie ging uns mehrere Jahre nicht aus dem Kopf!

Jule <3 und noch immer finden wir sie echt wunderschön!

Eine Amel Maramu – eigentlich das perfekte Schiff für Meer und mehr, aber unser Bauchgefühl alarmierte uns – da bin ich mir heute noch sicher – im richtigen Moment. Es waren kleine Risse am Gelcoat zu erkennen als wir sie uns näher anschauten. Wir konnten den Schaden nicht einschätzen, man drängte uns zum Kauf ohne Gutachter, Matthias und ich schliefen nicht gut, hatten schlechte Träume. – Auf krasse Art gesagt „Ein Griff ins Klo!“

Nach dem Besuch auf der Amel kamen wir an diesem Boot vorbei – wir fühlten uns auch gerade als bräuchten wir eine Therapie! Noch vor wenigen Minuten dachten wir, wir würden unser neues Zuhause kaufen, hätten beinahe den Vertrag unterschrieben, doch noch in letzter Minute einmal im Dinghi drumherumgefahren und der Traum zerschellte!!! Die eigentlichen Nichtraucher wurden wieder zu Raucher und tranken 3 Frappé, extra süß, hintereinander, brauchten einen Spaziergang über 4 Stunden und Gespräche mit Bootseignern im Hafen um wieder klar zu kommen.

So vergingen die Jahre, aber es wurde immer klarer, was wir eigentlich haben wollten:

Ein zuverlässiges, sicheres Boot, welches wir zu zweit handhaben können. Klar gibt es auf einem Boot immer was zu Basteln und Werkeln, aber wir wollen nicht die Zeit, die wir haben, überwiegend mit Reparaturarbeiten verbringen. Der finanzielle Unterschied zwischen einem jungen gebrauchten Boot und einem neuen Boot, ausstattungsbereinigt, war so gering, dass wir uns für ein neues Boot entschieden.

Das fühlte sich wirklich richtig an!

Auf der „boot“ in Düsseldorf nahmen wir 3 Modelle unter die Lupe. Wir interessierten uns für eine gedrungene Slowenin, eine kühle Hanseatin und eine fesche Fränkin. Dann entschieden wir uns für Matthias‘ Heimat und es wurde ELMO! – Einfach so, am 20. Februar, morgens, am Telefon.

Hallo ELMO!

ELMO ist das schönste Segelboot auf der ganzen Welt – wenn es nach uns geht ;). ELMO ist 1.130 Zentimeter groß und wiegt etwa 7.000.000 Gramm, das sind 37 Fuß und 7 Tonnen.

ELMO ist ein Giebelstädter Prachtexemplar. Hier haben wir ihn (für die Seeleute, deren Nackenhaare sich jetzt sträuben „sie“) das erste mal gesehen! Auf einer Werksbesichtigung der Werft Bavaria Yachtbau – schon fertig für die große Reise nach Portoroz in Slowenien.

 

Nachdem wir alle Namen, die wir für ein Boot tauglich hielten, auf eine DIN A3 Seite geschrieben hatten, strichen wir fast alle wieder weg. Übrig blieb nur noch der Name des Hundes und der Tochter von Matthias’ Schwester. – Hmm… Mist, schon besetzt!

Es sollte ein Name mit „Seele“ sein, etwas Sympathisches, das man schnell und einfach lesen aber auch gut über das NATO-Alphabet buchstabieren kann, in sämtlichen Sprachen nicht falsch verstehen und falsch schreiben kann und am Besten noch mit einer tieferen Bedeutung.

Die Namensfindung verlief zäh…

Es kam ein regnerischer Sonntag in Köln. Lula, eine Freundin aus Köln, wollte mit mir auf eine Ausstellung eines Goldschmiedes gehen. Die Jungs willigten ein, nachdem wir sagten, es würde hinterher auch etwas zu Essen geben. Es war ein Emaillekünstler, der sakrale Arbeiten für die katholische und evangelische Kirche herstellte, wie es sich herausstellte. Etwas fehl am Platz aber sehr interessiert an diesem wundervollen Handwerk strichen wir durch den alten Laden, schauten uns Heiligenbilchen an, lernten was über Tabernakel, Kupfer, Messing und Emaillegießen. Grobi – der alte Messdiener – fragte Matthias warum wir das Boot nicht ELMO nennen würden, nach Erasmus, dem Schutzpatron der Seefahrer. Wir ließen uns das Heiligenbild von Erasmus zeigen, auf dem auch Segelboote abgebildet waren… ELMO ging uns seitdem nicht mehr aus dem Kopf und blieb.

Name mit Seele: check!
Name eines Heiligen und einer Figur aus der Sesamstraße.

Sympathiewert: check!
Heilige tun gute Sachen, Sesamstraßencharaktere finden sogar kleine Kinder sympathisch.

Schnell und einfach: check!
Ganz einfach: E, L, M, O.

NATO-Alphabeth: check!
Echo, Lima, Mike, Oscar.

Tiefere Bedeutung: check!
Siehe oben.

Mit vielen plänen aber recht planlos durchs mittelmeer!

Bevor wir ELMO unser Zuhause nennen konnten, haben wir schon etwas an Erfahrungen gesammelt, Matthias hat zu Beginn unserer Reise 4.000 Seemeilen und schon ein paar kleine Salzkristalle auf seinem „Buckel“. Selbst kann ich mir 1.900 Seemeilen auf die Fahne schreiben, dennoch wissen wir, wir können lange nicht alles, werden Fehler machen und viel lernen, austesten und zum Gräuel vieler „alter Seebären“ nicht alles nach deutschen oder österreichischen Seglerstandards machen. Entgegen dem DSV sind wir bekennende Bugstrahler. Aber ist es nicht eigentlich das, was es noch vielmehr interessant macht? Einfach machen! In den nächsten Jahren möchten wir mit unserem kleinen Cruiser durch’s Mittelmeer.

ELMO ist zwar echt heiß, aber eine Heizung haben wir nicht an Bord.

Deswegen haben wir gedacht, die Kanaren wären ein spitzen Ziel für den Winter 2017. Dahin haben wir es aber erst gar nicht geschafft, wir sind in Valencia hängengeblieben und haben so die spanische Kultur, einen ganzen Winter, in uns aufgesogen. Pläne ändern sich an Bord recht schnell – das mussten wir schon direkt am Anfang unserer Reise feststellen, als wir einen Monat, statt angedachten 5 Tagen, in Montenegro festhingen. Es werden meist Pläne von A bis E geschmiedet, doch eigentlich trifft meist Plan Q ein. Also nehmen wir die Natur wie sie ist, lassen uns ein Wenig treiben und sind gespannt, wo uns der Wind hinträgt.

Zum Glück ist die Mittelmeerregion mit dem Flugzeug oder dem Auto leicht und schnell zu erreichen. Falls es doch so sein sollte, dass man nicht mehr will, zu viel Heimweh und Sehnsucht nach Familie und Freunden hat, fliegt man zurück, gemeinsam oder auch alleine. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt – im schönsten Fall haben wir mit ELMO die beste Zeit des Lebens!

Egal was ab jetzt kommt, wir machen einfach – und das ist das Wichtigste!

 

DANKE,

An unsere Eltern und die Familien,

die hinter uns stehen und uns unterstützen, egal was für verrückte Pläne wir schmieden – wir lieben Euch.

An unsere Freunde,

die die Abschiedsparty und den Abschied zu einem unvergessenen Moment und uns in Gesprächen Mut gemacht haben, es zu wagen.
(O-Ton Philipp: „Kauf den Bums einfach!“ – den Arschtritt haben wir gebraucht 😉 DANKE für den BESTEN ARSCHTRITT der Welt!)

Ihr wunderbaren Menschen – ihr seid im Herzen immer dabei!!!

An Tugba und Dilara,

für das wahnsinnige Engagement, uns nach Slowenien zu fahren und uns bei unseren ersten Schritten zu helfen!

An Thomas Thurau, seine Frau Annemarie von Westside Sailing und unseren Rigger Tomaz von TS Yachting

für ein gutes Bauchgefühl, Offenheit, Transparenz, Tipps, Tricks, Möglichmachen und das offene Ohr in allen Belangen (Auch – weil uns manchmal das Zeitgefühl flöten geht – an Sonntagen). Das tut sehr gut!

An Tobi Covill,

der Matthias mit dem Segelvirus infizierte.

An Die Steiners,

für viele unvergessliche Momente an Bord, Tipps und Tricks und immer ein offenes Ohr – nicht nur in Segelbelangen.

Last, but not least –
Dominik, Julia und die ganze Join the crew familie!

Denn erst so war es für uns möglich, viele einzigartige Urlaube, in unterschiedlichsten Ländern zu erleben, wunderbare Menschen kennenzulernen, die wir mittlerweile Freunde nennen und dem gemeinsamen Traum einer Auszeit auf See immer wieder ein Stückchen näher zu kommen. – Danke, mit viel Liebe!