Ein Schwur, Reizthema Antifouling und Karneval auf Griechisch – oder wie der unendliche Winter endete!

Bei Kälte aber strahlendem Sonnenschein rollen wir am 5. Januar wieder in Lefkas an. In Deutschland haben wir uns Winterspeck angefuttert, den wir hier gut gebrauchen können. Im Gegensatz zu heimischen Gefilden, sind in Griechenland die Berge weiß, wie auf einer überdimensionalen Eissplittertorte. Nach 15 Stunden Autofahrt, Flug und Bus fahren, haben wir es geschafft! Wir stehen zitternd vor ELMO. Schnell den Heizlüfter angeschmissen, Gyros Pita bestellt und die Zweisamkeit an Bord genießen. Ein Nachteil, wenn man in Lefkas überwintert – der nahegelegene Flughafen Preveza, nur 20 Autominuten entfernt, wird ab Oktober bis April geschlossen und man muss irgendwie über Athen auf die Ionischen Inseln kommen.

Laune wie 7 Tage Regenwetter – oder besser 2 Monate?!

Das gute Wetter und auch die gute Laune hält nicht lange an. Schon bald brechen wieder Regen, Sturm, Hagel und Gewitter auf uns ein. Petrus übergibt sich mit all seiner Kraft. Wir versuchen jeden einzelnen Sonnenstrahl zu ergattern und auszunutzen um unsere Vitamin D Speicher zu füllen – das klappt nicht wirklich und wir müssen mit Vitamin-D-Doping nachhelfen, damit wir nicht komplett die Bordwand hochgehen. Manchmal packen wir uns in Windeseile mit den Stegnachbarn auf die Klappräder, radeln um die Lagune, nehmen einen Kaffee in Milos Beach Bar ein, bevor es wieder wie wild auf uns herunterprasselt. Es kann einem schon mal die Stimmung vermiesen, wenn man morgens beim Gang zu den Sanitäranlagen aus heiterem Himmel bis auf die Unterhose nass wird, weil es urplötzlich so heftig stürmt, dass man den Regenschirm lieber geschlossen lässt. Das Einzige, was man machen kann, wenn draußen mal wieder die Hölle los bricht – wenden in der Vorpiek, die nächste Folge auf Netflix anschmeißen, versuchen sich zu motivieren nicht ganz lethargisch bis zum Frühling im Bett rumzulungern! Wir vermeiden das Porto Café am Morgen und Nachmittag, damit man nicht instant zum Alkoholiker wird.

Manchmal kann es auch echt schön aussehen in Lefkas, wenn die dicken Wolken weg sind und die winterlichen Farben über die Lagune blitzen. Selbst die Flamingos trotzen dem schlechten Wetter und bleiben ihrer Lagune treu.

Egal welches Wetter draußen tobt, es geht auf zu den Hunden. 4 Minuten später ist mir der Schirm um die Ohren geflogen.

Im Salon versuchen wir, die Klamotten wieder trocken zu bekommen. Klappt zum Glück mit dem neuen Luftentfeuchter ganz gut!

Während Matthias Winterschlaf hält, halten mich die Hunde auf Trab. Jeden Tag gibt’s was zu tun! Es ist wundervoll und zehrt zugleich an den Nerven und Gefühlen, da man sich vorher nicht vorstellen konnte, was einen bei dieser Arbeit so erwartet (aber das könnt ihr alles im Beitrag „Guardians of Lefkas“ nachlesen).

Hirnfuck und Antifouling

Matthias hat eine schier unerschöpfliche Quelle an Zeit zum Nachdenken. Und so wird das Thema Antifouling (der Belag an ELMOs Unterseite – hat die Aufgabe, allerlei Meeresgetier davon abzuhalten, ELMO als Heim für Wachstum und Gedeihen zu verwenden) zu einem unlösbaren Thema in seinem Kopf. Worauf wir uns am Anfang gefreut hatten, nämlich ein paar Dinge auch in Eigenleistung zu tun da es keine Raketenwissenschaft ist, wird nun zum Nervthema Nummer 1. Mittlerweile hab ich schon keine Lust mehr, überhaupt darüber nachzudenken. Matthias vergleicht unzählige Angebote von Werften, die die Arbeit natürlich gerne gegen Geld machen. Wir fahren hin, schauen uns die Werften an und der Rest der Liveaboard Community in Lefkas redet uns gut zu und bietet Unterstützung an, wenn wir die Arbeit mit unseren Händen machen möchten. Donnerstags verzweifeln wir mit Pieta, Gemma, Nick, Tommy, Anne und ein paar Weiteren beim Griechisch Kurs an einem neuen Alphabet, Worten, die man nicht aussprechen, geschweige denn behalten kann und belustigen so Evi, unsere australische Griechin, die mit einer unbändigen Leidenschaft versucht, uns ihre Muttersprache beizubringen. Zumindest die Zigaretten, etwas zu Essen und zu Trinken können wir schon mal auf Griechisch ordern.

Es ist Ende Februar und wir können die Tage, an denen die Sonne geschienen hat und es trocken war, an einer Hand abzählen.

Wir schwören uns, nie wieder einen Winter an Bord zu verbringen!

Ich muss mich von meinem kleinen Welpenrudel verabschieden. Matthias, Sallie und ich fahren mit einem Haufen Welpen nach Thessaloniki, um sie in ihr neues Zuhause in Deutschland oder Holland zu entlassen. Es bleibt nicht viel Zeit durch die Stadt zu bummeln, aber wir schaffen es dennoch ein paar Eindrücke der Großstadt zu gewinnen. Es ist laut aber nicht wuselig. An jeder Ecke entdeckt man schöne Streetart und das griechische Essen schmeckt auch hier ganz gut. Sallie ist mit den Welpen nach Holland geflogen und wir sammeln sie erst am nächsten Tag wieder ein. Bettina kam aus Deutschland und hat die Welpen für Deutschland abgeholt. In dieser Jahreszeit findet man nur sehr selten Flugbegleiter, so fliegt Sallie gerade bis zu 3 Mal in der Woche nach Holland oder Deutschland. Bei einer 5-6 stündigen Autofahrt ab Lefkas eine ganz schön krasser Einsatz für die Fellnasen!

Sallie auf dem Weg nach Thessaloniki. Selbst dort liegen ihr die Hunde zu Füßen! Sie hält auf der Strecke an und hält immer mal wieder Ausschau. Sieht sie einen hungrigen Hund, wird schnell die Dose oder das Trockenfutter aus dem Auto geholt.

Calligraffiti in Thessaloniki

Und zur Abwechslung noch ein paar alte Steine ;).

Frühlingserwachen auf Lefkas

Die Abende werden wärmer, die Blumen fangen an zu sprießen und es duftet überall nach Narzissen, Kirsch- oder Mandelblüten. Auch die Tierwelt erwacht wieder und nicht nur Schmetterlinge, Vögel und Hummeln benutzen die Luft als tierische Hauptverkehrsstraße sondern auch die Mücken! Ich hab mich in Lefkas ganz gut eingelebt, was aber auch daran liegt, dass mich Marta mit zum Kaffeetrinken mit den Freunden nimmt und mich mittlerweile wie selbstverständlich integriert. Ich schaffe es sogar, ein paar Fetzen Griechisch in den Unterhaltungen zu verstehen, nur das Antworten fällt echt schwer.

Auf dem Weg zu den Hunden am Morgen.

Auf ELMO ist die Mandelblüte ausgebrochen.

Und bunte Deko gibt‘s auch wieder!

Karneval steht in den Startlöchern. In Griechenland dauert es sogar noch eine Woche länger. Susanne hat sich für den Rosenmontag angemeldet und besiedelt vorübergehend unsere Achterschiffskabine. Mit Verkleidung, Deko und Kölscher Musik wird laut gröhlend bis in die Nacht gefeiert und gequatscht, zelebriert dass man sich hat! B und Alex bekommen einen Karneval-Crash-Kurs und können am nächsten Tag fließend Kölsch sprechen.

Die Karneval-Party-Crowd. Susanne, Sarah, Matthias und Chris

Der Rosenmontagszug findet hier Sonntags statt. Die ganze Stadt feiert ausgelassen bis in die Nacht. Allerdings verkleiden sich hier nur diejenigen, die im Zoch mitgehen oder Kinder… oder die verrückten Ausländer ;).

B und Alex <3

Die Gypsies verkaufen Luftballons

 

Und Kai-Günther ist auch wieder dabei!

Die Sonne kommt endlich wieder und lässt sich häufiger als der Regen blicken. Wir machen einen Testtörn nach Meganisi, genießen die Ruhe und die Einsamkeit, aber stellen auch fest, dass es noch ganz schön feucht in der Nacht und am Morgen ist, als wir in einer Tropfsteinhöhle erwachen. Ob sich das bis April wieder gibt? Die Marina fängt plötzlich wieder an zu leben und überall trifft man auf neue Gesichter, werkelnde Menschen und Arbeiter für die Charterunternehmen, die nun die Boote wieder in den Hafen zirkeln.

„Hooomaaaaaan! Let me in!“ – Gemma und Nick haben Zighy bei Beth und John, unseren Nachbarn, gelassen und sind für ein paar Tage nach Dubai abgedampft. Zighy findet wohl ELMO sieht aus wie sein zu Hause und kommt schon mal vorbeigetapst. Auch wenn Matthias ihn echt mag, rein darf er nicht! Nachdem er sich in unserem Bett ausgebreitet hat, hat Matthias‘ Katzenhaarallergie wieder zugeschlagen.

Meganisi

Matthias und Alex diskutieren über die Philosophie des Alkohols.

Wir machen‘s jetzt einfach! 

Wir haben uns nach ewig langem Hin und Her dafür entschlossen, das Antifouling selbst zu erneuern. In Lefkas, nicht in irgendeiner anderen Werft oder Marina. Hier kennen wir die Leute und wissen, dass man auf deren Hilfe, wenn wir sie benötigen, vertrauen können. Der Krantermin ist gebucht, ein kleines Autochen gemietet und für die Zeit, die ELMO auf dem Trockenen verbringt, haben wir uns ein kleines AirBnB-Appartment angelacht, denn auf dem Boot dürfen wir in der Zeit nicht wohnen.

Es ist so weit! Wir machen es wirklich! Antifouling in Eigenregie.

Jeremy, unser Nachbar, fährt als fünfte und sechste Hand mit zum Kranen. Alex, Nick und Su kommen als moralische Unterstützung angetuckert und geben uns ein gutes Gefühl, während ELMO von all dem Bewuchs, der sich über die Monate angesammelt hat, mit einem Hochdruckreiniger befreit wird. Dann geht’s auch schon auf die Stelzen und wir müssen all die kleinen Biester, die sich Pocken schimpfen, von ELMOs Rumpf befreien. Die zementieren sich auf den Rumpf und in ihrem Zement stecken Hormone, die anderen Pocken Bescheid geben, dass hier ein spitzen Haftgrund ist. Also muss alles von den Pocken restlos entfernt werden. Fimmelarbeit.

Händchen halten! Nick, Su, Alex und wir kurz nach dem Kranen.

ELMO hat ‘n Bart.

Und Pocken sind echt mies!

Nach dem Schleifen hat man echt keinen Bock mehr!

Matthias bekommt Hilfe von Ken, der sich den Außenborder, den Saildrive und unseren Motor etwas genauer anguckt.

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Bester Moment!!!!

Auf die Friemelarbeit folgt die Scheißarbeit! Schleifen!

Für ELMO nur das Beste – also schleifen wir von Hand! Voll die gute Idee… NICHT!

Matthias erklärt, dass er zu groß ist, um unter dem Boot zu schleifen. Ich bin ebenfalls zu groß aber immerhin noch kleiner als Matthias, also bleibt die über-Kopf-Arbeit zum größten Teil an mir hängen, derweil macht Matthias den Kiel und die Seiten von ELMO. Am Abend können wir uns beide nicht mehr bewegen und spüren auch unsere Arme und Hände nicht mehr. Die Finger sind auf’s Doppelte angeschwollen und wir fallen totmüde ins Bett. Die Waschmaschine im Appartment läuft während der ganzen Zeit auf Hochtouren und wir haben nach Monaten endlich wieder gut riechende und vor allem trockene Wäsche. Der kleine Mietwagen mutiert zum Handwerkerauto und ist mit allerlei Streichutensilien, Abklebeband, Farbe, Sicherheitsausrüstung und Werkzeug befüllt. Nach dem äußerst faulen und bewegungsarmen Winter gerade eine ganz schön aktive Zeit für den Körper, der gefühlt alle zwei Minuten nach Energie und Essen verlangt. Obwohl wir bis jetzt echt Glück hatten mit dem Wetter, müssen wir eine kleine Zwangspause einlegen, denn das Antifouling trocknet uns beim Streichen auf der Rolle ein. Zu viel Wind! Ist aber auch nicht schlimm, denn genau an diesem Tag ist der Abschiedsgriller der Liveaboards aus der Marina. Alle treffen sich, schmeißen Essen auf den Grill, lachen in feucht fröhlicher Runde und genießen noch einmal ein letztes großes Beisammensein. Unsere Glieder und Muskeln freuen sich ebenfalls über eine Pause. Und dann geht alles ganz fix. Die Farbe ist drauf, ELMO ist bereit zum Kranen und schon sind wir wieder zurück im Wasser!

Bereit für die neue Saison, bereit für ein neues Abenteuer!

Wir laufen ein letztes Mal über die Pontoons und verabschieden uns von allen.

Gemma <3 beste Fuetlieferantin und Katalanin.

Nick oder wahlweise jetzt auch Nikos.

Alex, leider ohne B. Denn die steckt gerade in England.

Bromance!

Jan und Ray

Die Hambles

Magpie

Jamie und Meep

Peter

Tommy und Anna

Kate und Ben

Jeremy und Debbie

Alex und Mandy, leider erst viel zu spät kennengelernt…

 

 

 

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