Verrückte Welt! Ein verschwundenes Orakel, Schnee in Griechenland und ein ganzer Tag mit neugierigen Säugetieren.

Auf Trizonia, einer kleinen Insel im Golf von Korinth, machen wir nur für eine Nacht fest. Unsere beiden Heckleinen sind fest an der Pier, die Ankerkette muss ich jetzt eigentlich nur noch dicht nehmen. Doch irgendwie missglückt unser römisch-katholisch Anlegemanöver. Als ich den Anker dicht nehmen will, greift dieser nicht und nach geraumer Zeit habe ich den Anker schon so weit hochgewinscht, dass ich ihn wieder komplett eingeholt habe. Ein sicheres Festmachen ist das  wohl eher nicht! Wir lassen uns langsam zur Seite kippen und machen dann doch Längsseits fest. Was wir nicht wissen – im Golf von Korinth gibt’s einen Tidenhub von 0,7 Metern! Das ist verdammt viel, wenn man längsseits liegt und alle Fender auf einer Höhe hängen hat. Zum Glück bemerken wir es noch, bevor sich ELMO seine schöne weiße Plastikseite an der groben Wand aufschrubbelt. Trizonia liegt noch im Winterschlaf. Ein Restaurant hat offen, ein kleiner Tante-Emma-Laden ebenfalls, doch Menschen trifft man hier kaum. Am Nachmittag macht noch eine Crew auf Überführungstörn hinter uns fest, nachdem sie feststellen, dass wir in Köln gelebt haben, gibt’s am nächsten Morgen sogar Kölsche Lieder zum Kaffee.

Längsseits an der Pier. Ein Fenderbrett wäre hier hilfreich gewesen. Ist schon echt sehr grober Beton.

Echt süß und idyllisch hier!

Planen beschweren auf Griechisch!

Auf dem Peloponnes liegt noch Schnee. Ist auch ganz schön kalt hier.

Galaxidi – ein Magischer Ort!

Susanne hat schon den ganzen Winter von Galaxidi geschwärmt, denn ihre Mistral hat dort den Winter an der Stadtpier verbracht. Leider ist Susanne schon vor ein paar Tagen weitergezogen, weil sie Besuch in Korinth bekommt, also haben wir uns doch tatsächlich nur knapp verpasst. Schon bei der Einfahrt lässt uns Galaxidi aus den Latschen kippen. Das unglaublich süße Städtchen windet sich malerisch um zwei Hügel. Diese kleine Stadt flasht! Galaxidi ist ein ganz besonderer Fleck auf diesem Planeten! Im Golf von Korinth und nur wenige Kilometer von Delphi gelegen, gewann Galaxidi im 18. und 19. Jahrhundert an Bedeutung und Wohlstand. Galaxidi war Sitz der mächtigsten Handelsflotte im Mittelmeerraum – und das sieht man auch heute noch! Die wunderschönen Kapitänshäuser sind unglaublich gut in Schuss und fast alle immer noch im Besitz der Familien. Uns kommt es vor, als wäre Galaxidi der schönste, liebevollste, kreativste, bunteste und sauberste Ort ganz Griechenlands. Wir haben uns verliebt!

Typoliebe

Gerade für Schriftliebhaber ist Galaxidi ein totaler Augenschmaus! Extrem viele Schilder in der Stadt sind von Hand geschrieben und gemalt. Dem Stadtbild verleiht es einen wundervollen, handgemachten und besonders liebevollen Flair. Der Wahnsinn! Wenn jemand wissen sollte, wer hinter dem Kürzel Κ.λ steht, bitte Bescheid geben! Ich würde mich gerne für diesen Augenorgasmus bedanken!

Der Mehlkrieg von Galaxidi ist noch sichtbar! Jedes Jahr bewerfen sich die Leute in Galaxidi mit eingefärbtem Mehl. Woher das kommt? Aus Indien! Denn die Seefahrer haben den Holi nach Griechenland gebracht ;).

Mal zum Größenvergleich ;).

Die Pierente

Wir treffen auf Mara, die eine ganz besondere Geschichte über Galaxidi zu erzählen hat. – Wer neugierig ist, sollte hinfahren und sie treffen (und man trifft sie bestimmt, wenn das Universum es will! ;)). Eine wundervolle, beeindruckende, junge Person mit unbändiger Kraft und einem Ziel! LEBEN – in Galaxidi! Mara bleibt nicht die Einzige, so können wir auch Ricky und Donna von der PATIENCE kennenlernen, die wir schon in Mesolonghi getroffen haben, ein süßes positives Pärchen aus England, die auf den Spuren des Filmes Mamma Mia durch Sporaden ziehen wollen (also Donna will auf den Spuren von Mamma Mia durch die Sporaden, Ricky macht mit).

„Superdiesel Andreas“ versorgt die Yachties mit Sprit und kommt jeden Morgen, gut gelaunt, mit seinem kleinen Wägelchen angefahren und freut sich, wenn er jemandem seinen Diesel verkaufen kann, freut sich aber ebenso, wenn er in der Sonne sitzen und das Leben genießen kann.

An Haustieren fehlt es einem auch nicht, denn der Begrüßungshund steht direkt nach dem Anlegen an der Pier, wahlweise mit Begrüßungskatze oder Begrüßungsente.

Ganz Galaxidi ist positiv geladen und versprüht eine innere Ruhe und Gelassenheit, die man nicht beschreiben kann! Man sollte hinfahren und es selbst erleben!

Wir bleiben hängen, mehrere Tage, was aber auch daran liegt das es eine Wasser- und Stromsäule gibt, die in Betrieb ist, nur kommt keiner vorbei zum Kassieren. Also warten wir :D. Quatsch – wir freuen uns natürlich riesig über unseren Freeloading-Platz. Galaxidi ist auch ein spitzen Ausgangsort für einen kleinen Trip nach Delphi.

wie wir Den Nabel Der Welt Finden und Auf der suche nach dem Orakel nur umgefallenen steinen über den weg laufen

Wir haben uns einen kleinen Mietwagen geleistet. Der Herr vom Verleih ist uns schon einen Tag vorher aufgefallen, denn er hat einen extravaganten Stil sich zu kleiden. Bevor er uns den Fiat zur Verfügung stellt, zieht er seine totalverspiegelte Brille zur Spitze der Nase und begrüßt uns erst mal in Galaxidi. Er bestückt uns noch mit Reisetipps und Orten, an denen wir auf alle Fälle stoppen müssen, bevor er sein etwas zu lang geratenes helles Strickwestchen über seine ultramuskulösen Oberarme zieht, mit seiner Hand nur ganz leicht über die gegelten Haare streift um kurz darauf im nächsten Café, auf einen griechischen Kaffee, verschwindet. Netter, verrückter Herr!

Bombastischer Ausblick in den Bergen!

In Delphi geht’s steil bergauf! Es ist noch kühl aber die Sonne brennt schon arg von oben. Wir laufen vorbei an alten Schriften, die in Stein gemeißelt sind, umgefallenen Steinen und dem Nabel der Welt – wer hätte gedacht, dass wir dafür mal kilometerweit laufen würden?! Auch wenn Delphi eigentlich für sein Orakel bekannt geworden ist und wir dieses definitiv nirgendwo dort angetroffen haben, es hat sich trotzdem gelohnt. Es ist der 18. April, freier Eintritt!!! WHOOPWHOOP. Also nicht nur deswegen, sondern auch wegen der umwerfenden Aussicht in diesen verrückten Bergen mit den tiefen Schluchten, der ganzen Kultur, die man sich dort reinziehen kann und um einfach nur mal den Weg abzulaufen, den die Herren und Damen damals täglich, oder zu Zeiten der Pythischen Spiele gelaufen sind. Wie die Athleten das geschafft haben, noch die Spiele durchzuhalten, nachdem sie den Berg zum Stadion hochgekraxelt sind, bleibt uns ein Rätsel! Die Pythischen Spiele – das waren neben den Olympischen und den Panhellenischen Spielen die Bedeutendsten in ganz Griegenland. Die Arena – natürlich ganz oben am Berg!!!! Für frischgebackene Nichtraucher der Neuzeit auf alle Fälle eine Herausforderung!

Der Nabel der Welt – liebe Leute!

Auf dem Weg zurück entdecken wir eine ziemlich große Spinne. Eine Ladybird Spinne. Die ist recht selten hat uns ein befreundeter Spinnenliebhaber erzählt. Wir haben sie dann mal in Frieden weiterziehen lassen.

Delphi allein hätte schon gereicht, aber wir haben den Mietwagen nur einen Tag!

Deswegen tuckern wir noch ins Skigebiet Parnass und fahren einen großen Umweg zurück nach Galaxidi. Das Parnass Gebirge ist halt echt ’ne Nummer für sich! Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich mal in Griechenland Schnee sehen würde und dann das!

Schnee so hoch gestapelt wie ich es schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe.

Das alles wirkt so surreal und verrückt! Auf dem Weg dort hin fahren wir durch Orte, die nur auf Wintertourismus ausgelegt sind. Etliche kleine Hütten reihen sich aneinander. Kilometerlang! Ferienhütten für die Skifahrer. Alles ausgestorben jetzt, da die Saison zu Ende ist. Vor einer geschlossenen Taverne liegt ein Rudel Hunde mit Welpen. Ich kneife die Augen zu, während mein Herz anfängt zu bluten. Auf der Rückfahrt halten wir an und bemerken, das die Vierbeiner schon lange nichts mehr zu Essen hatten. An Wasser fehlt es ihnen momentan nicht, es regnet noch recht häufig und es stehen genug Eimer in der Gegend, die das Regenwasser auffangen. Die Kleinen sehen nicht mehr gesund aus, haben teilweise offene Stellen auf der Haut, die man durch das lichte Fell sieht. Die Großen sind zutraulich und sehen etwas besser genährt aus, die Kleinen bleiben auf Abstand. Wir steigen schnell wieder ins Auto, rauschen zum nächsten Supermarkt, der eine Dreiviertelstunde entfernt liegt und besorgen einen Haufen Trocken- und Nassfutter, bevor wir den ganzen Weg wieder zurückfahren. Währenddessen versuche ich, Tierschutzorganisationen in der Gegend ausfindig zu machen. Keine Chance. Als wir zurück kommen springen uns die Hunde beinahe in den Kofferraum, als sie riechen was wir da mitgebracht haben. Innerhalb von Minuten ist alles eingeatmet und die abgemagerten, sind nun zu kugelrunden Bäuchen gewachsen. Was macht man in solch einer Situation?! Wir fühlen uns hilflos und wissen nicht, was wir tun sollen. War es überhaupt gut Futter dort hinzubringen oder verlängern wir das Leiden nur noch? Einpacken und auf den ganzen Hunden sitzen bleiben, weil es keine Organisation gibt, die sie aufnimmt oder Augen zu und sie ihrem Schicksal überlassen??? Das Handy gibt einen lauten Ton von sich und Greek Animal Rescue schreibt zurück, dass sie sich drum kümmern wollen. Sie versuchen eine Person in der weiteren Umgebung zu mobilisieren. Ich hoffe, dass es irgendwie hin haut, verkneife mir ein paar Tränen, als die Hunde uns noch ein Stück hinterherlaufen, während wir vom Parkplatz fahren.

Ja, auch das ist Griechenland!

Auch wenn uns Galaxidi in seinen Bann gezogen hat, wir können nicht ewig bleiben. Nachdem ich eine Runde gejoggt bin (das ist jetzt die neue Guten-Morgen-Beschäftigung, damit meine Lunge auch weiß das es gut ist, dass ich aufgehört habe zu rauchen), die Wassertanks gefüllt, die Batterien aufgeladen und die Bilgen und Schapps mit allerlei Lebensmitteln gefüllt sind, geht’s los!

Korinth wir kommen! 

Die Vorfreude ist riesig, denn das ist ein Erlebnis, worauf wir uns schon seit Anbeginn der Reise freuen: Auf eigenem Kiel durch den Kanal von Korinth! Während wir am Ostersonntag aus der Bucht bei Galaxidi in die Flaute motoren, kommt eine Delfinschule und begleitet uns. Das Heimweh und die Gedanken an das gemeinsame Osteressen mit der Familie werden von den Delfinen weggesprungen und weggeschwommen! Wie wunderbar doch Flaute sein kann! Wir können unser Glück nicht wirklich fassen, denn die Delfine bleiben ewig an unserer Seite. Als dann doch die eine Gruppe verschwindet, kommt kurz darauf eine weitere, mit Vollspeed angesprungen und bleibt wieder mal eine ganze Weile bei uns. Und so geht es stundenlang!!! Wir fragen uns schon, ob sich alle Delfine des Mittelmeeres hier vor Galaxidi und dem Kanal von Korinth getroffen haben um eine Osterparty zu feiern. Es wimmelt hier nur so vor Meeressäugetieren! Als gefühlt Delfin Nummer 840 an uns vorbeispringt und zu ELMOs Bug gleitet, schauen Matthias und ich uns an und müssen etwas schmunzeln, nachdem wir uns beide wie aus einem Mund, sagen hören „Also Leute, so langsam wird’s ja fast langweilig!“.

 

Eine Kanalfahrt die ist lustig, eine Kanalfahrt die ist fürchterlich eng!

Vor dem Kanal von Korinth schmeißen wir im Dunkeln den Anker. Wir wollen morgen in der Früh da durch. Während wir unseren ersten Kaffee am Morgen schlürfen, kommen Donna und Ricky auf der PATIENCE anmotort. Wir melden uns auch bei dem Kanalchef zur Durchfahrt an. Der sagt die Namen in der Reihenfolge, wie man dort durchfahren soll. Die richtig dicken Boote als erste! Dann die kleinen und ganz am Ende ELMO! Ich implodiere und jubel in mich rein während ich zum Anker hechte. Wenn wir die Letzten sind, dann haben wir einen klasse Blick auf den Kanal wenn man an ELMOs Heck steht. PERFEKT!

Es ist verrückt und sehr beengend! An den Steilwänden sieht man kleine Löcher, die wie Stufen angeordnet sind. Es sind Stufen! Die auf denen die Arbeiter, die den Kanal gebuddelt haben, hoch und runter gekraxelt sind, während sie wahrscheinlich in sengender Hitze diese phantastische Furche ins Land gegraben haben.

Keine Stunde später sind wir schon durch, 165 Euro leichter und haben unsere erste Kanalfahrt hinter uns gebracht. Auf geht’s in neue Gewässer.

Hallo sardonischer Golf, hallo Ägäis! Wir freuen uns auf EUCH! 

 

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