Vier Gewinnt – Mallorca, Ibiza, Formentera und Valencia zu viert.

Wir haben ein großes Ziel vor uns: Einen blitzeblanken ELMO vorweisen, kurz bevor Alena und Philipp die Passerella (den Laufsteg, der auf ELMO führt) betreten. Berge an Wäsche landen in den zwei großen Ikea-Tüten. Ölzeug wird zum Lüften nach außen verfrachtet, die Gummistiefel ebenso. Die Matratzen werden hochgestellt. Alle Dinge, die wir über die letzten Monate im „Kämmerchen“ verstaut hatten, fliegen in den Salon, der nun zum Bersten gefüllt ist mit allerlei Krempel: Solarpaneele, Gelcoat, Laminatplatten, unzählige Kissen, Kleidungsstücke, die Gitarre… Krempel! Krempel! Krempel! Der Schweiß läuft seit einigen Tagen zum ersten Mal. Wohoo! Um halb sechs hat sich das Kämmerchen in ein geräumiges Schlafzimmer für die Beiden verwandelt, ELMOs Inneres ist wieder erkennbar und die Feuchtigkeit ist auch gewichen. Unsere Backen sind rot. Es fühlt sich nach Fieber an, ist aber nur die Wärme vom Land, von der man erstaunlicher Weise auf dem Meer überhaupt nichts merkt. Kurze Pause, dann noch einmal durchfegen und putzen. Matthias wuselt irgendwo auf dem Marinagelände herum um herauszufinden, wo wir unsere Gasflaschen auffüllen lassen können, als ich ein „¡HOLA!“ in bekannter Tonlage höre.

<3

Komplikationen im Security-Bereich und eine Fast-Verhaftung

Philipp und Alena!!! YEHA! Mein Herz springt. Früher als erwartet! Alles lief bei ihnen wie am Schnürchen – nachdem es eine Alena-Fastverhaftung im Security-Bereich in Frankfurt gab und Philipps Smartphone sich in der Hose selbstständig gemacht hatte und ganze drei Male den falschen Pin eingab. Alena hatte ein Taschenmesser im Handgepäck übersehen und der Security-Mann wollte ihr Handschellen anlegen – aus Spaß. Für Alena eher eine Kalt-Schweiß-Angelegenheit, da sie Ironie in solch einer Situation nicht verarbeiten konnte und sie ihren Urlaub auf ELMO schon platzen sah, wie Seifenblasen, die auf Asphalt zerschellen. Nachdem Philipp sein Handy wieder zum Leben erweckt hatte, konnten die Beiden dann auch die Bordkarten vorweisen und sich in die Flugzeugsitze fallen lassen.

Crewpullis <3 von Philipp und Alena!

Weihnachten, Geburtstag und Ostern auf einmal!

Dieses Mal flogen die Beiden nicht nur mit Handgepäck und hatten noch Platz für unzählige Sachen, die wir benötigen. Endlich gibt’s nun auch einen Revierführer für die Balearen, neue Sandalen und Batterien für die Taschenlampe, die ich in der Nachtfahrt auf die Balearen laut Matthias tiefentladen hatte und damit tötete. Und noch viel mehr! Matthias und ich hatten Geburtstag und das haben die Beiden nicht ignoriert. Wir dürfen Geschenke auspacken! Zwei warme, flauschige und wunderschöne Pullis – mit einem ELMO Schriftzug auf dem Rücken! Und das Beste – die riechen auch noch nach dem Schäfer-Heidrichen Waschmittel! Fully in love!

Allen knurrt der Magen. Wir machen uns auf zur Pizzeria, versinken im Pizzakoma und lassen den Abend mit Gin-Tonic und Rum-Cola, zu Gesprächen, die uns auf den neuesten Stand der Dinge in der Heimat bringen, ausklingen.

Endlich wieder wie bei den Waltons „Gute Nacht Philipp, gute Nacht Alena, gute Nacht Matthias, gute Nacht Sarah … … gute Nacht ELMO!“

Herbstliche Sonnenuntergänge.

Morgens beschließen wir, nicht noch einen Tag in der Marina zu bleiben, die nebst Pool, wunderbare sanitäre Einrichtungen bietet, sondern gegen Mittag los zu fahren. Dafür muss die Arbeit geteilt werden. Ein Paar „Ratio und Chaos“ geht einkaufen, in dem Fall Alena und Philipp und ein Paar „Ratio und Chaos“ bleibt auf dem Schiff und kümmert sich um einen sauberen ELMO von außen, volle Wassertanks, die Müllentsorgung und das Auffüllen der Gasflaschen. Beim Verstauen der Einkäufe muss ich grinsen, als ich bemerke, dass sich Ratio und Chaos gedreht haben müssen und Alena wohl dieses Mal an der Puddingtheke eskaliert ist. Sonst werden Philipp und mir immer die Eskalationen in Einkaufsläden hinterhergesagt (… ja ok… ich erinnere mich da an ein, zwei Situationen, als wir an der Kasse oder auf dem Siegener Markt standen und uns gegenseitig in die verlegen lächelnden Gesichter schauten, nachdem wir den Bon unter der Nase hatten oder wir uns Bilder von den Einkäufen aus Bonn oder Köln und Siegen zuschickten mit den Worten – Ups! Passiert!). Das ist wohl heute der Startschuß dafür, dass Philipp und ich wieder gemeinsam einkaufen gehen dürfen! Spitze!

Schönwettersegeln ist leider aus.

In der Bucht von Palma ist einiges los, selbst zu dieser Jahreszeit. Wir schieben quer durch die Bucht nach Portal Vells. Die Bucht ist voll, kein Platz mehr für klein ELMO. Eine kleine Bucht weiter bietet keinen Schwellschutz für die Nacht. Auf zur Punta Negra aber auch die ist nix! Xinxell hat dann endlich einen Platz für uns und der Anker buddelt sich auch gerade noch auf Sand und nicht im Seegras ein. Puh! Nach schwimmen ist uns nicht mehr zu Mute. Alena korrigiert ein paar Klassenarbeiten, denn Lehrer haben wenn Ferien sind anscheinen keine Ferien. Ich finde die Vorstellung interessant, wie Alena im Ernstfall in der Rettungsinsel sitzt, das Drybag mit den Klassenarbeiten zückt und einfach weiterkorrigiert. (Touch wood! – Wir hoffen natürlich, dass es nicht passiert!) Es ist schon viertel vor Sonnenuntergang aber der hat’s in sich!

Alena

Mit Bananen und Schokolade in Pancakes eingebacken beginnt der Nächste Tag. Philipp erklärt, dass heute No-Pants-Day ist und er nicht bereit ist, auf dem Segelboot eine wärmere Hose anzuziehen als die Badehose. Hart im Nehmen der Typ! Uns durstet es nach einer Naturbucht ohne direkt ersichtliche Hotelbebauung, deswegen wird in Es Malgrat der Anker geschmissen und direkt wieder hochgezogen. Etwas später liegen wir inmitten von Natur, in der Cala Blanca. Ein Hotel auf dem Berg ist nur zu sehen wenn man den Kopf nach oben reckt. Ziegen hängen an den steilen Felshängen und blöken. Die Jungs machen sich Gedanken, wie man die Ziegen nun vom Fels herunter auf den Grill bekommt. Alena und ich sind skeptisch. Im Wasser dümpeln ein paar Feuerquallen und zwei Mallequallen rum, wir springen trotzdem rein und die Schwimmflossen werden an die Füße getackert.

Besuch von einer Feuerqualle.

Diese Farben!

Matthias taucht eine Wisch hoch, die sich wohl von einem Boot verabschiedet hat. Man ist um einiges schneller mit diesen Plastikfußerweiterungen. Das Abtauchen des Ankers wird wohl in Zukunft recht zügig passieren.

Ibiza – wir kommen!

Mit dem Sonnenaufgang verabschieden wir uns aus der schönen Bucht und ziehen 48 Seemeilen weiter Richtung Ibiza. 10,5 Stunden liegen vor uns, wir möchten noch vor dem Sonnenuntergang in der Clot D’Es Llamp ankommen. Die Segel lüften wir schon kurz nachdem wir den Anker klar haben. Phantastisch. Endlich wieder unter Segel.

Aufrecht stehen auf ELMO geht für Philipp nur dort.

Der Autopilot darf auch ein wenig Urlaub machen, es wird von Hand gesteuert. Gerade stehe ich auf ELMOs Backbordseite hinter dem Steuerstand als plötzlich eine Delfinfinne neben uns auftaucht. Matthias übernimmt das Steuer, Philipp, Alena und ich hechten an ELMOs Bug und schauen den Delfinen beim Spielen zu. Ein großer bleibt die ganze Zeit nah an ELMOs Bug. Manchmal scheint es, als würde ELMO ihn erwischen, wenn er durch die Wellen hüpft. Die anderen schwimmen unter ELMO durch, hüpfen aus dem Wasser und schwimmen eine lange Zeit mit uns. Matthias macht einen unüberhörbaren Freudenschrei. Eine komplette Delfinschule mit so vielen Tieren, sodass wir sie gar nicht mehr zählen können schwimmen nun mit uns, überall Finnen, überall wird gesprungen.

Wir sind fassungslos und können unser Glück nicht fassen! – Wunderschön, solch einen Moment mit den Liebsten teilen zu können.

Delfineeeeee!!!!

Kurz vor dem heutigen Ziel packen wir die Segel ein, was sich schwierig gestaltet (die Laminatsegel sind schwer in Form zu falten, soll sich aber mit der Zeit eingrooven), sich aber wesentlich leichter zu viert abwickeln lässt. Fern ab von Zivilisation möchte Matthias SafeTrx (eine App, die uns mit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger verbindet. Unsere Eltern, sowie Florian werden über diese informiert, wenn wir uns nicht, in einem von uns bestimmten Zeitfenster, gemeldet haben) ausschalten, was leider ohne Empfang nicht geht. Und genau diesen haben wir hier in dieser verlassenen Bucht nicht. Einen letzten Versuch will Matthias noch auf dem Vordeck unternehmen etwas Netz einzufangen, bevor er entweder den Hotspot in den Mast zieht oder mit Baby-ELMO noch mal aus der Bucht nach außen fährt. Es klappt. Ein Fitzelchen 3G reicht aus, um den Alarm zu deaktivieren. Unsere Eltern und Flo werden nicht fälschlicher Weise über unser „Nicht-Ankommen“ informiert.

Vor uns liegt ein Naturwunder.

Eine Felswand, die so verrückt gefaltete Schichten hat, sodass man meinen könnte, ein Künstler hat sie erschaffen. Auch hier gurken unzählige Quallen um ELMO im klitzeglasklarem Wasser. Schwimmen fällt aus.

ELMO auf Ibiza. Alena hat sich Arbeit mit in den Urlaub genommen und korrigiert Klassenarbeiten zum Sonnenuntergang.

Verrückte Farbenspiele in den Grotten.

Wunderschönes Felsmassiv in der Wahnsinnsbucht!

Schon am nächsten Tag findet man uns in der Cala Llonga. Hier ist es sinnvoll, einen Zweitanker auszubringen, denn Fähren fahren durch die enge Bucht und weitere Segler möchten auch hier ankern. Nichts leichter als das! Der Eimer mit der Bleileine (die wir seit Montenegro nicht mehr in Gebrauch hatten) wird aus der Backskiste geangelt. Als Philipp den Eimer aufmacht muss er sich beinahe in ebendiesen übergeben. Ein modriger, schlammiger Geruch hängt sich in den Nasen fest. Verdammt! Wir hätten die Leine mal besser säubern sollen!

Körperbeherrschung und schnelles Handeln erspart uns das Wiedersehen unseres Frühstücks.

Zweitanker liegt! Als wir ihn abtauchen, schauen wir uns auch den Hauptanker unseres Nachbarn an, der liegt auf der Seite. Bei der Windvorhersage eher nicht so gut. Die Aussies, die auch gerade auf ihr Boot gezogen sind und ab nun dort leben buddeln ihn von Hand ein und meinen es wäre ok so. Nach einem kurzen Einkauf in dem kleinen Örtchen, Schnorcheln, dem Hochtauchen eines Flaggenstocks mit niederländischer Flagge und dem Duschen zwischen Quallen ist urplötzlich schon wieder Abend. Die Tage vergehen wie im Flug.

Balsam für die Seele

Wo fliegen alle Flugzeuge dieser Welt hin? – Ist doch klar, auf die schönste insel der welt!

Dann ist es so weit! Bald wird Philipp erfahren wo alle Flugzeuge dieser Erde hinfliegen! Nach Formentera. Jedes Mal, wenn ich ein Flugzeug sah, sagte ich „Das fliegt nach Formentera!“ Formentera hat keinen Flughafen. Ist nur 19 km lang. Wahrscheinlich drückte es einfach nur mein Fernweh nach diesem kleinen Juwel im Mittelmeer aus. Die kleinste aber schönste Baleareninsel ist, seit ich denken kann, mein liebster Ort auf der Welt. Glasklares, türkisfarbenes Wasser. Weicher Sand. Schroffe Felsküsten, wunderschöne ruhige Orte. Handwerk und Kunst findet man überall. Nicht nur auf den wunderbaren Hippiemärkten in El Pilar de La Mola und Es Pujols. Formentera hat sich allerdings etwas verändert mit der Zeit. War es früher ein „Geheimtipp“, so haben mittlerweile viele VIPs diese Insel zu ihrer Lieblingsinsel auserkoren. Es ist nicht mehr günstig, viel Neues ist dazu gekommen, gerade in Es Pujols, dem „Touriort“ der Insel. Man darf nicht mehr einfach durch die Dünen laufen, dafür gibt es nun Wege. Viele Teile sind unter Naturschutz. Bevor ich jetzt abdrifte – weiter im Text! 😉

No-pants-day ist nicht mehr.

Draußen ist es kalt und der Himmel droht mit Regen. Philipp hat seine Jogginghose übergeworfen.

Neue Schuhmode auf ELMO – Gummistiefel!

Wir segeln vor Formentera ein bisschen auf und ab, weil der Wind gut ist und eine Regatta zwischen der Hafeneinfahrt von La Sabina und Ibiza im Gange ist. Wir Halsen und Wenden. Es macht echt Spaß zu segeln. Zwei Delfine schwimmen vorbei, haben aber keine Lust zu spielen. Gegen Nachmittag packen wir dann doch die Segel ein und fahren in den kleinen Hafen. Riccardo, der örtliche Marinero, gibt uns mit Händen und Füßen, viel Spanisch und ein Wenig Englisch zu verstehen, dass wir die Moorings ziemlich fest machen sollen. Auch wenn auf Formentera noch nicht mal mehr Nebensaison sondern echt tote Hose ist – die Fähren fahren weiterhin. Alle paar Minuten kommt eine neue Fähre in oder aus dem Hafen geschossen. Creepy wird es, wenn eine reinfährt und eine den Hafen verlässt oder in der Hafeneinfahrt dreht.

Dann zieht es an den Leinen so heftig, es scheint, als würden sie vor Schmerzen schreien.

Wir haben das Gefühl im nächsten Moment reißt es ELMOs Klampen raus und sie fliegen uns um die Ohren. OK – so richtig entspannt liegt man hier nicht. Matthias findet zum Glück eine Lösung mit der wir leben können und verteilt die Kraft, die normal auf nur eine Klampe geht auf zwei. Jetzt ruckt es nicht mehr so hart und wir nehmen es zähneknirschend hin, denn Formentera ist es wert. Als Philipp und ich durch La Sabina ziehen um Käse und Brot zum Snacken zu holen ist mal wieder Siesta. Doch wir finden – so denken wir – den absolut passenden Mietwagen für einen kleinen Roadtrip auf Formentera. Ein Citroën Méhari in quietschorgange. Jetzt muss nur noch die Ratio überzeugt werden. Die Ratio kommt uns später natürlich mit finanziellen Argumenten sowie mit dem Argument der Wetterlage. Das Wetter ist nicht ganz so beständig, Wolken öffnen immer mal wieder ihre Wasserspeicher und ergießen sich über uns. Was natürlich echt ein Argument ist, denn unser Wunschmietwagen Nummer 1 ist offen wie die Münder deutscher Zuschauer beim 7:1 gegen Brasilien. Wir einigen uns auf eine Ratio-/Chaos-Lösung, einen Suzuki Jimmy.

Jimmy

Wir Mädels duschen abends im Dunkeln, das Licht auf den sanitären Einrichtungen für Damen hat auch Feierabend. Auf Formentera wird das Duschen im Minutentakt abgerechnet. Lange Wellnessbehandlungen fallen flach. Die Insel verfügt über keinen eigenen Süßwasserspeicher, sodass das Wasser unglaublich wertvoll ist. Mit Schiffen wird alles angekarrt und in riesige Tanks gefüllt, welche die komplette Insel mit Wasser versorgen. Auf der Suche nach Essen landen wir am Abend schließlich doch gegenüber ELMO im Hafenrestaurant, was für’s „vollgefuttert-nach-Hause-Rollen“ keine schlechte Entfernung darstellt. In unseren Kojen können wir den Fischen beim Jagen zuhören. Dicke Brummer jagen die kleinen, die in absoluter Panik und Lebensangst gegen ELMOs Bordwand springen. Am Morgen hängt ein kleiner toter Fisch unter ELMOs Badeplattform. Circle of Life – sehr real!

Selbst die Telefone sind abgeklebt und haben Winterpause.

Der Sonntag ist verregnet und wolkenbehangen, für einen Jimmy-Roadtrip aber vollkommen vertretbar.

Wo sonst so viele Menschen herumwuseln ist alles wie ausgestorben. Die Hotels sind verrammelt. Die Strände leer. In Es Pujols hört man das Echo seiner Schritte. Die Pflanzen vor den Häusern verstecken sich nun hinter Bastmatten. Lampen sind abmontiert. Die Fenster der Bars von innen mit weißer Farbe bestrichen. Selbst die Hippies haben ihr Handwerkszeug zusammengepackt und sind Gott weiß wo.

Pujols Strandpromenade gleicht einer Geisterstadt, aus der alle Menschen geflohen sind. Es fehlt nur noch das Tumbleweed, welches von links nach rechts vom Wind über die sandige Straße gefegt wird.

Erst am Ortstausgang entdecken wir menschliche Lebewesen. Sie packen an der allzu vertrauten Bar an der Ecke die Baststühle zusammen und bereiten sich auf den Winter vor. Im Hotel gegenüber eine geschlossene Gesellschaft, die wahrscheinlich Saisonende feiern. Ein Steakhaus hat noch offen und wir entscheiden uns für ein fleischreiches Mittagessen. Wir Glücklichen finden noch den richtigen Moment, denn schon nach einer halben Stunde ist das einzige offene Restaurant in Es Pujols zum Bersten gefüllt. Leute warten schon auf der Straße um einen Tisch zu ergattern. Wo kommen die bloß alle her? Aus welchen Löchern sind die herausgekrochen?!

Fischernetz

Nachdem es nicht wirklich viel zu sehen gibt schaffen wir die wenigen „Sehenswürdigkeiten“ an einem Tag. Wir steigen in die Grotte neben dem Leuchtturm am Cap de Barbaria, stehen über dem Meer und genießen den Ausblick auf den regnerischen Horizont, fahren durch San Francesc de Javier, San Ferran und gurken die komplette Insel mit Jimmy ab. Im Supermarkt stehen wir ohne Einkaufsliste vor den Regalen und kaufen leckeren Schund – mit weißer Schokolade ummantelte Oreokekse und Donuts, bevor wir uns mit Jimmy wieder auf den Rückweg machen.

Regenschutz in der Grotte am Cap de Babaria

Der nächste Tag verwöhnt uns mit Sonne. Perfekt für einen kleinen Trip in die Hauptstadt Formenteras, in der wir durch die Läden bummeln. Wir lassen uns ein Wenig treiben. Im kleinen Lederlädchen Ishvara möchte ich meine Sandalen reparieren lassen, die ich vor fünf Jahren gekauft habe. Mittlerweile können sie sprechen, die Sohle verabschiedet sich langsam. Ich komme zu spät, heute ist der letzte Tag, an dem der Laden offen hat. Ich bekomme Hilfe zur Selbsthilfe. Zweikomponentenkleber soll mein Problem lösen. Es ist unglaublich schön, durch die Gässchen zu ziehen wenn Nebensaison ist. Es liegt eine absolute Ruhe über der Insel, alles läuft irgendwie in Slowmotion ab. Eines darf nicht fehlen! Ein Besuch bei Majoral – einer Gold- und Silberschmiede. Enric Majoral hat das Familienunternehmen gegründet. Mittlerweile ist auch sein Sohn eingestiegen. Inspiriert von der Natur Formenteras erschaffen sie wunderbare individuelle Schmuckstücke, von denen ich nur schwer meine Finger lassen kann. Ich bewundere ihre Arbeiten, die für mich das perfekte Zusammenspiel von Kreativität und Handwerk ausdrücken, immer wieder. Das ist auch der Grund, warum ich mir so manche „Souvenirs“ klemme und lieber meine Euros aufbewahre, bis ich in diesem wunderbaren Laden eskalieren kann. Nach der Eskalation sitzen wir vier auf der Straße der kleinen Stadt und trinken uns gemütlich einen Kaffee, bevor es uns weiter nach El Pilar de la Mola zieht.

Neueste Errungenschaft – ein Ring in wunderschöner Verpackung

La Mola – ganz für uns allein

Kleiner Kämpfer

Der Kleine sonnte sich in der Wärme des Tages hinter dem Leuchtturm auf La Mola. Ich hatte das Glück bis auf einen Zentimeter an ihn ran zu kommen, ohne das er sich direkt vom Acker machte.

Am Leuchtturm von La Mola ist die höchste Stelle Formenteras. Oben auf dem Hochplateau kann man die wunderbare schroffe Felsküste der kleinen Insel bewundern. Eine Katzenfrau sucht nach einer Katze, die vor ein paar Tagen dort oben ausgesetzt wurde. Wir finden sie als die Hippiedame, die für den Tierschutz arbeitet, schon wieder weg ist. Wir glauben nicht, dass es der Katze dort oben schlecht gehen wird bei dem reichen Futterangebot an Eidechsen. Ein Sonnenuntergang am Illetes rundet den wunderbaren Tag ab, bevor wir unseren heiß geliebten Jimmy wieder abgeben müssen.

Jimmyjimmyjimmyyojimmyyeah

Wellenreitend durch die Nacht!

Philipps und Alenas Flug nach Hause geht bereits in drei Tagen ab Valencia. Da die beiden noch keine Nachtfahrt gemacht haben, wollen wir ihnen diese Erfahrung nicht vorenthalten.

Unser Plan: Formentera zügig am Morgen verlassen, auf Ibiza einen kleinen Ankerstopp einlegen, bevor wir ans Festland übersetzen geht nicht auf.

Wir erreichen Ibiza zu spät um noch mal den Anker in einer schönen Bucht ausrauschen zu lassen. Noch bietet die Landabdeckung Schutz vor der Welle, doch als wir die Landabdeckung verlassen, bekommen wir die hohen Wellen, die sich die letzten Tage aufgebaut haben, zu spüren. Wie eine hohe, massive Wand bauen sich die Wellen neben ELMO auf um kurz darauf unter uns durchzurollen. Ich frage mich, ob wir der Wellenkarte der Spanier wirklich vertrauen wollen und darauf hoffen, dass sich die Vorhersage bestätigt und die Wellen abnehmen, je weiter wir uns von Ibiza entfernen.

Eine Schlecht-Wetter-Front dreht zum Glück nach Backbord weg und verschluckt einen Segler.

Philipp, Alena und ich üben uns darin, die Wellen einfach zu akzeptieren während Matthias friedlich in der Vorschiffskabine schlummert. Am Abend teilen wir uns in Zweiergruppen für die Nachtwache auf. Alena und Matthias übernehmen die erste Schicht. Die zweite Schicht geht an Philipp und mich. An Schlaf ist bei dem Wellengang nicht zu denken – wenn es nach Phillip, Alena und mir geht. Was Matthias betrifft – er bekommt ausreichend Schlaf. Ich bin neidisch. Wir vertreiben uns die Zeit mit Spielchen wie Tiere-Raten und Pistazien pulen. Bei einem Tier mit „U“ ist allerdings schon nach wenigen Runden Schicht. Mehr Tiere als Uhu und Unke finden wir nicht mit U.

Die zweite Wache wird zu meiner persönlichen Zerreißprobe. Schlafdurstend hänge ich im Cockpit ab. Bin nicht mehr in der Lage, eine vernünftige Konversation zu führen. Die Augen fallen alle paar Minuten zu. Philipp hält eisern durch, obwohl auch er keinen Schlaf bekommen hat. Hut ab, Helm auf! Backbord kann man schon ein Kap am Festland erspähen. Valencia kann man an einem sanften Lichtkegel am Horizont ausmachen. So viel zu sehen gibt es, auch ohne Mond! Ein Leuchtturm ist die ganze Strecke über zu erkennen. Die Passage nach Valencia ist viel befahren. Der Handywecker erinnert mich alle 10 Minuten einen Rundumblick zu machen. Ein Kreuzfahrer passiert unseren Weg. Wir beide sind plötzlich hellwach! Was tun? Kurs ändern? Wir sind ausweichpflichtig. Oder ist der Kreuzfahrer noch weit genug weg und überschätzen wir mal wieder die Proportionen bei Nacht und fahren womöglich einen riesigen Umweg wenn wir jetzt unseren Kurs ändern? Als wir die Lichtgirlande und ein C auf dem Schornstein des Kreuzfahrers erkennen können ändert Philipp den Kurs, kurz darauf auch der Kreuzfahrer, denn auch er will nach Valencia rein und dreht ab. Wie dem auch sei – lieber Kurs ändern bevor man von einem Stahldampfer über den Haufen gefahren wird.

Ziemlich kaputt machen wir früh am Morgen an der Pier der Tankstelle von Valencia fest.

Wir sind alle fix und fertig! Unsere Laune und die geringe Informationsaufnahme unserer Hirne bestätigen es. Nur noch an den Liegeplatz für die nächsten Tage kommen, dann ist alles safe, wir können frühstücken und schlafen – den ganzen Tag bis zum Abend.

Wenn man Jungs Fahrräder holen gehen lässt – Hier muss man fürs Video klicken weil WordPress mein Video nicht einbinden will 😉

Valencia ist mit dem Fahrrad recht gut zu erradeln. Die ganze Stadt ist flach und durchzogen mit Fahrradwegen, auf denen sich dutzende Radler tummeln. Auch wir wollen in diese wunderbare Stadt. Es fehlt nur an einem fahrbaren Untersatz für Philipp und Alena. Die Jungs ziehen los … … und kommen mit einem Tandem wieder. Philipp braucht nicht lang für die Eingewöhnung auf dem Zwei-Mann-Geschoss und fordert Alenas Nerven ganz schön mit rasanten Fahrmanövern auf kleinen, engen, steinigen Pfaden Richtung Stadt heraus.

Zeit die Stadt zu erkunden! Wir bewundern die verrückten Bauwerke im Ciutat de les Arts i les Ciències, in einer großen Markthalle läuft uns das Wasser im Mund zusammen und sind überwältigt von den schönen Bauwerken in der von Kultur strotzenden Stadt. Überall gibt es etwas zu sehen. Fast überfordert es unsere ausgeruhten und gechillten Gemüter.

Gebannt von der verrückten Architektur

Wellen am Himmel

Verrückte Fassadenbekleidung

Insekt

Gefangene Palmen

Auf dem Markt

Die schlafen nur

Wunderschöne Schilder

Lisa, eine Freundin, ist ebenfalls mit einer Freundin in Valencia. Wir wollen uns am Abend zum Essen in einem Restaurant treffen, das direkt im Hafen liegt. Und schon wieder können wir einen wunderbaren Abend mit Freunden, bei äußerst gutem Essen am Meer als eine weitere bleibende Erinnerung in unserer Schatzkiste hinterlegen.

Das kalorienärmste Dessert auf der ganzen Welt

Schon am nächsten Morgen heißt es bye bye Herzmenschen! Philipp und Alena packen die Sachen und müssen zum Flughafen. Zurück ins kalte, herbstliche Deutschland.

Die Abschiede werden erträglicher, weil man weiß, dass man sich immer wieder sehen wird. Dennoch bleiben die Augen nicht trocken und man braucht erst ein paar Minuten Ruhe auf einer Parkbank bevor es wieder weiter geht. Ein „neues Leben“ erwartet uns nun. Die Kanaren haben wir abgeblasen für dieses Jahr. Wir werden den Winter am spanischen Festland verbringen. Ankerplätze sind hier rar. Es gibt fünf mögliche Plätze, an denen wir uns aufhalten wollen. Valencia, Alicante, Almeria, Cartagena und Malaga. Wir werden uns wohl ab nun an ein Leben in den Marinas gewöhnen und austesten wie die Liveaboard-Community in den einzelnen Häfen gestrickt ist. Auch wenn wir lieber ankern und weit um uns rum Platz in alle Richtungen bevorzugen – wir freuen uns drauf!

Wieder allein.


 
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